Ms-162b

1r[1]

… Brüche ihrer Größe nach in Reihen ordnet; aber nicht dadurch daß man alle Brüche in eine Reihe ordnet.

1r[2]

“Ich kann Einem nicht alle Techniken durch eine Technik beibringen.”

1r[3] &
1v[1]

Man kann wohl die Namen aller Systeme in eine Reihe ordnen, aber sie nicht alle den Systemen der Reihe nach zuteilen.

1v[2] &
2r[1]

D.h. man hat, wenn man eine endlose Reihe von Namen hat, nicht zu wenig Namen; wenn man sie (nur) nicht so aufteilt, daß dem System von Namen ein System von Systemen entspricht. Verwendet man diese besondere Art der Zuteilung, dann hat man zu wenig Namen; und das kann man so ausdrücken: “man kann nicht alle Namen allen Systemen zuteilen” – weil man unter dem Verteilen aller Namen an Systeme das Verteilen aller Namen an ein System von Systemen versteht.

2r[2]

Die Verwirrung entsteht hier durch den Ausdruck “man kann … in eine Reihe ordnen”.

2v[1]

Es gibt Reihen, welche man “Reihen aller Brüche” nennt. Es gibt Reihen, von welchen man sagt, sie enthielten alle Brüche.

2v[2] &
3r[1]

‘Wir wollen nicht sagen: eine Reihe von Funktionen f1(x),f2(x),f3(x), enthielte alle Funktionen, da sie fx(x) nicht enthält.’

3r[2] &
3v[1] &
4r[1]

‘Wir wollen unter keinen Umständen von einer Reihe aller Reihen sprechen.’ ‘Wir wollen unter keinen Umständen von einer Kiste sagen, sie enthielte alle Kisten.’ “Wieviele Multiplikationen hast Du zu machen gelernt?” – – 0 (d.h. ein unbegrenztes System von Multiplikationen). – “Und wieviele Funktionen hast Du zu bilden gelernt?” – “Viel mehr als 0,2(1)!” (d.h. ich habe gelernt, aus dem Ausdruck für ein unbegrenztes System von ihnen, neue Funktionen zu erzeugen). – “Aber Du hast doch auch gelernt, aus irgend einem unbegrenzten System der Größe nach geordneter Brüche weitere solche Systeme zu erzeugen.”

4r[2] &
4v[1]

Bestimmen wir, daß alle Systeme mit Brüchen benannt werden sollen! Man kann alle Brüche in eine Reihe ordnen – hat man damit nun alle Systeme in eine Reihe geordnet? ‘Systeme in eine Reihe ordnen’ heißt: aus einer Reihe von Reihen in gewisser Weise eine Reihe abzuleiten.

4v[2]

Wenn ich jemand die Reihe der Reihen πn erklärt habe, so muß er nun im Stande sein z.B. π520 Schritt für Schritt zu berechnen. Ich habe ihm also die Technik von π520 erklärt.

5r[1] &
5v[1]

Was heißt es denn eigentlich die fv(x) seien Funktionen von x? Genügt es dazu, daß ich einerseits die Zeichen fv(x) – d.h. ‘f1(x)’, ‘f2(x)’ etc. etc. f1(1), f2(1) etc. etc. anschreiben kann & anderseits einige dieser Zeichen als Namen gewisser Techniken der Reihenentwicklung benütze? So ist es doch offenbar nicht, denn es muß vielmehr mit dem System fv(x) eine bestimmte Technik verbunden sein, Techniken der Entwicklung zu bilden. Dies ist aber nicht damit erreicht, daß ich eine Technik zur Bildung der Zeichen fv(x) besitze.

5v[2]

Man kann alle Funktionsnamen in eine Reihe ordnen; aber man kann sie nicht alle systematisch erklären.

5v[3]

‘Ein System von Funktionsnamen systematisch erklären’ heißt: eine Erklärung an den Kopf zu stellen.

6r[1]

‘Den Gebrauch eines Systems von Zeichen systematisch erklären’ heißt: eine Erklärung an den Kopf des Systems stellen, die die richtige Verwendung der Zeichen des Systems bewirkt.

6r[2]

Kann diese Erklärung selbst ein Zeichen des Systems sein?

6r[3]

Die Erklärung der Funktionszeichen geschieht systemweise.

6v[1]

‘Habe ich Dich gelehrt, ein System von Funktionen zu beherrschen, so habe ich Dich damit auch abgerichtet, eine außerhalb des Systems stehende Funktion zu beherrschen.’

6v[2]

Meine Aufgabe ist es Euch die Geographie eines Labyrinths zu lehren, so zwar, daß Ihr Euch vollkommen darin auskennt.

7r[1]

Wie bewegt man Menschen dazu, mit Überzeugung eine bestimmte Behauptung zu machen?

7v[1]

“Sei nicht lächerlich! Freilich bedienen wir uns zum Erkennen der Anzahl gewisser Mittel, die Anzahl übersichtlich zu machen; z.B. des Dezimalsystems.” – Aber was ist hier Zweck, & was Mittel?

7v[2] &
8r[1]

Wir würden also nicht erkennen, daß 10.000 Variable in dieser Klammer stehen. Ist das nicht, als sagte man: “wir würden nicht erkennen, wieviel Jahre der Elefant lebt, wenn die Erde nicht um die Sonne ginge”?

8r[2] &
8v[1] &
9r[1]

Ist denn das nicht eben, was wir Zahlbestimmung nennen, diese Technik, das Zählen im Dezimalsystem anzuwenden? – Nein; denn wir hätten ebensowohl in einem andern System zählen können. – Aber liegt dies nicht daran, daß wir verschiedene solche Techniken lernen können & so gut wie immer übereinstimmende Resultate erhalten? – Aber wir erkennen doch die Zahlen ∣, ∣∣, ∣∣∣, ∣∣∣∣ auf den ersten Blick & wir könnten uns doch Wesen denken, die auch 10.000 Striche als 10.000 Striche auf den ersten Blick erkennen würden. – 10.000 Striche als 10.000 Striche? Wie wüßten wir denn, daß es wirklich 10.000 Striche sind die sie als 10.000 Striche erkennen? Doch nur durch eine von unseren Zählmethoden. Also durch die Übereinstimmung unsrer Resultate. Aber kann man denn sagen, daß diese Übereinstimmung zeige, daß jene Leute das Richtige erkennen. (Dann könnte die Übereinstimmung ja ebensogut zeigen, daß wir richtig zählen!)

9v[1] &
10r[1]

So hatte Frank Ramsey (also) völlig recht damit, als er schrieb (Last papers): … Nur, glaube ich, sah er nicht das Problem, welches darin liegt, die Beziehung der logischen Exaktheit & dieser Vagheit anzugeben.

10v[1]

Warum soll ich nicht sagen: “Wenn 5 die Zahl von φ ist & 7 die Zahl von ψ, so nenne ich 12 die Zahl von φ⌵ψ”? Statt zu sagen: “dann ist die Zahl von φ⌵ψ 12.”

11r[1]

We can’t describe with words the relation between

An welche Art von Beschreibung denken wir denn, wenn wir sagen Worte könnten das nicht beschreiben?

11r[2]

Für diese Relation könnten wir nur einen Namen haben; beschreiben können wir sie nicht.

11r[3]

Wann wäre sie aber beschrieben?

11v[1]

Nun es ist doch hier ein bestimmter Grad des Größenunterschieds, & der läßt sich mit Worten nicht ausdrücken.

11v[2]

Kann ich diesen Winkel nicht beschreiben? Doch, z.B. als das Doppelte eines andern für den ich einen Namen habe.

11v[3] &
12r[1]

Warum aber nicht als das 27-fache eines andern Winkels?

12r[2]

Was ist das für ein Satz: “Wir können uns das 27-fache eines Winkels nicht vorstellen”? Vor allem einmal heißt es nicht: das physikalisch 27-fache.

12r[3]

Verwandtes Beispiel: Wir können uns 27 Stücke nicht vorstellen. (Absolutes Gehör.)

12r[4]

Ist es nur behaviouristisch bestimmt?

12v[1]

Wann würde ich von einem Andern sagen er könne sich 27 Striche vorstellen – – – wann würde ich es von mir selber sagen?

12v[2]

Statt ‘vorstellen’ nehmen wir besser Bilder auswählen.

12v[3]

Wie wäre es, wenn ich 27 Stücke als ‘bestimmte Figur’ sehen könnte?

12v[4] &
13r[1]

Wie wäre es wenn ‘27’ etwas analoges für mich bedeutete wie ‘4’? Wenn z.B. ein ‘27-Eck’ etwas analoges für mich bedeutete wie ein ‘4-Eck’?

13r[2]

Ich würde z.B. verschiedene Eigenschaften des 27-Ecks zeigen können. Die Mitte etc. “Es paßt hierher & nicht daher”. Ich könnte es mit einem Stern 1-1 verbinden etc.

13r[3] &
13v[1]

“Diese Farbe liegt in der Mitte zwischen … & …” Wir sind nicht geneigt das zu sagen, obwohl wir sagen diese Farbe ist näher dieser als jener. Wir können eine Farbe malen auf den Befehl: male eine Farbe näher dieser als jener, aber nicht auf den Befehl male die Farbe in der Mitte.

13v[2]

“Es ist logisch unmöglich, eine Farbe exakt zu beschreiben.”

13v[3] &
14r[1]

Beschreibung eines Farbtons durch den Sprechton.

14r[2]

Warum sagt man ein Ton & seine Oktav seien derselbe Ton? “Was haben die beiden mit einander gemein?” –


14r[3]

Kann ich mir vorstellen daß ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ als charakteristische Gestalt gesehen wird?

14r[4]

D.h.: Kann ich mir vorstellen, daß es gesehen wird wie

∣∣∣∣∣ ?

14r[5] &
14v[1]

Kann ich ∣∣∣∣∣ sehen wie ich ∣∣∣ sehe? Oder wie ∣∣, oder wie ∣ Man möchte sagen: “Nein” & dies Nein scheint mir erfahrungsmäßiger & zugleich auch wieder logisch zu sein; ein synthetisches Apriori.

14v[2]

Was sagt der Satz: ‘Ich sehe ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ jetzt nicht als Gestalt’?

14v[3] &
15r[1]

Man möchte sagen: die beiden S.D. ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ & ∣∣∣∣ sind von verschiedener Art. Und das ist sozusagen der logische Grund weshalb man sich nicht vorstellen kann man könne ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ als Gestalt sehen. Nämlich: dies S.D. ist keine Gestalt. Die Frage kann man sich … vorstellen hieße also: kann man sich ein S.D. einer andern Art vorstellen, das das S.D. von 12 Strichen wäre?

15r[2] &
15v[1]

Der Satz: “ich sehe jetzt ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ nicht als Gestalt” hat keinen klaren Sinn. Man kann ihn so erklären: ‘ich sehe jetzt ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ nicht so, wie ich ∣∣∣∣∣ sehe’. Aber ist nun die Anwendung des Satzes klar gemacht? (Erinnern wir uns: Wir dürfen nicht beliebige Kriterien anwenden.) Vergleiche ‘Ich bin hier’.

15v[2]

‘Die Zahl 131 ist mit bloßen Strichen unbeschreibbar’ – wie: ‘rot ist durch eine Zeichnung nicht wiederzugeben’.

15v[3] &
16r[1]

“Der Rhythmus ist nicht beschreibbar”. Das könnte z.B. heißen: daß er nicht ein gemessener Rhythmus ist. Sowie – “die Farbe ist nicht mit Worten zu beschreiben”, daß sie keine derjenigen ist, die Namen haben.

16r[2]

“Der Eindruck ist nicht mit Worten zu beschreiben. Ich kann nur eine Geste machen.” Die Ohnmacht der Worte sagt natürlich auch etwas. Kein Wort kommt mir, kein Vers, nur eine Geste.

16v[1]

Du mußt Dich immer fragen: “arbeitet dieser Satz (z.B. ‘ich bin hier’) & wie arbeitet er?”

16v[2] &
17r[1]

Das alte Testament gesehen als der Körper ohne Kopf; das neue Testament: der Kopf; die Briefe der Apostel: die Krone auf dem Haupt. Wenn ich an die Judenbibel denke, das alte Testament allein, möchte ich sagen: diesem Körper fehlt (noch) der Kopf. Diesen Problemen fehlt die Lösung. Diesen Hoffnungen die Erfüllung. Aber ich denke mir nicht notwendigerweise einen Kopf mit einer Krone.


17r[2] &
17v[1]

‘Kann ich mir vorstellen ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ als charakteristische Gestalt zu sehen?’ Kann ich mir vorstellen, daß sich ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ klärt & mir irgendwie in der Klarheit von ∣∣∣∣ erscheint? Ich scheine es mir halb vorstellen, halb nicht vorstellen zu können. Und mancher wäre geneigt hier zu sagen: “Ich glaube ich kann mir es vorstellen.”

17v[2]

Nun, was er sich vorstellen kann, kann er sich vorstellen. –

17v[3]

Rufen diese Worte eine Vorstellung hervor? Ja, sie rufen eine Vorstellung hervor. Aber wozu ist sie nütze?

17v[4] &
18r[1]

‘Diese Worte geben einen Sinn; denn ich weiß genau, wie das wäre, wenn ich die Strichreihe als Gestalt sähe.’

18r[2]

‘Ich weiß es, wie ich weiß, wie es wäre, wenn dieser Sessel dort stünde.’

18r[3]

‘Ich weiß wie es wäre wenn wir in einem 4-dimensionalen Raum lebten.’

18r[4]

‘Ich weiß, wie es wäre, wenn einer ein 7-Eck konstruierte.’

18r[5] &
18v[1]

Wir haben gleichsam den Text & eine Illustration – – – aber sollen wir hier sagen, es sei eine Illustration?

18v[2]

Hat es Sinn, zu sagen: “diese Leute sehen ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ als charakteristische Gestalt”? Denke Dir eine Filmgeschichte. Wie würde dies dargestellt?

18v[3]

Beweisen, daß man das regelmäßige 7-Eck nicht konstruieren kann, heißt eigentlich, zeigen daß keine Vorstellung in gewisser Art zu ihm führt.

18v[4] &
19r[1]

Denken wir uns ein psychologisches Experiment: jemand zeigt mir Tafeln mit Strichreihen und fragt mich ob ich sie jetzt als Gestalten sehe. Denke bei 1000 Strichen sagte ich plötzlich: “die sehe ich als Gestalt!” – – – Du willst sagen: darunter kann man sich gar nichts vorstellen. Man will mich fragen: sind es wirklich die 1000 Striche die Du siehst? Eine Beschreibung des Phänomens ist möglich, die mich befriedigt!

19r[2] &
19v[1]

Frage: “Sieht er dieselbe Zahl, die wir sehen?”

19v[2]

Wieder: “1000 läßt sich nicht durch eine Strichreihe darstellen.”

19v[3]

‘Diese Takte geben eine unbeschreibbare Empfindung.’

19v[4]

Kommt sie uns immer unbeschreibbar vor? Womit vergleichen wir sie, wenn sie uns so erscheint? (Unstillbare Sehnsucht)

19v[5] &
20r[1]

Kannst Du die Empfindung beschreiben, die Dir diese Takte geben?

20r[2]

‘Ich kann die Zahl der Diagonalen eines 8-Ecks nicht durch eine Strichreihe beschreiben.’

20r[3]

Wann ist es mir geglückt eine Empfindung zu beschreiben? Wenn ich selbst befriedigt bin?

20r[4] &
20v[1]

Zu sagen: “Diese Takte geben mir eine unbeschreibliche Empfindung” – drückt die Tatsache aus, daß ich intrigiert bin, daß ich nach einer Beschreibung oder Erklärung suche.

20v[2]

‘∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ ist keine Beschreibung der Zahl 13.’ – Aber wie ist man denn überhaupt auf die Idee gekommen, es könnte eine sein?! Warum soll es denn eine sein?!

20v[3] &
21r[1]

‘Es ist unmöglich dies mit Worten zu beschreiben, weil Worte nicht die dazu erforderlichen logischen Eigenschaften haben.’

21r[2]

‘Man kann 1000 nicht als die & die Strichgestalt beschreiben.’

21r[3]

Ich kann es mir nicht vorstellen.’

21r[4]

Eine Ähnlichkeit zwischen diesen Gesichtern die sich nicht beschreiben läßt.

21r[5] &
21v[1]

Ich kann mir 1000 Striche nicht als Gestalt vorstellen kann heißen: ich verliere immer wieder den Faden, wenn ich es so & so versuche.

21v[2]

Der Neid ist etwas oberflächliches – d.h.: die typische Farbe des Neides reicht nicht tief – weiter unten hat die Leidenschaft eine andere Färbung. (Das macht den Neid, natürlich, nicht weniger real.)

21v[3] &
22r[1]

Ich habe Imagination, & das unterscheidet mich von allen Lehrern der Philosophie hier, aber das macht mich noch nicht zum Genie.

22r[2] &
22v[1]

Das Maß des Genies ist der Charakter, – wenn auch der Charakter an sich nicht das Genie ausmacht. Genie ist nicht ‘Talent und Charakter’, sondern Charakter der sich in der Form eines speziellen Talents kundgibt. Wie ein Mensch aus Mut einem ins Wasser nachspringt, so schreibt ein anderer aus Mut eine Symphonie. (Dies ist ein schwaches Beispiel.)

22v[2]

Die ‘logische Unmöglichkeit der Beschreibung durch ein bestimmtes Beschreibungsmittel’. Das Mittel ‘paßt logisch nicht’ für den Zweck der Beschreibung.

22v[3] &
23r[1]

Warum sollen Zahlen das Mischungsverhältnis von Farben beschreiben können!? Es ist uns, als könnten wir versuchen & würden zurückgestoßen.

23r[2]

Worauf beruht es, daß es nicht geht? “Aber das meine ich nicht!”

23r[3] &
23v[1]

Kannst Du Dir absolutes Gehör vorstellen, wenn Du es nicht hast? Kannst Du es Dir vorstellen, wenn Du es hast? – Kann ein Blinder sich das Sehen von rot vorstellen? Kann ich mir es vorstellen? Kann ich mir vorstellen daß ich so & so spontan reagiere, wenn ich’s nicht tue? Kann ich mir’s besser vorstellen, wenn ich’s tue?

23v[2]

Kann ich aber das Sprachspiel spielen, wenn ich nicht so reagiere?

23v[3]

Beide Überlegungen führen zu dem gleichen Resultat. D.h.: auf beide Arten siehst Du, daß das herankommen muß.

24r[1]

Du hast z.B. die römischen Ziffern von I bis C arabisch numeriert.

24r[2]

Compare chairs, materials, lengths, numbers

24r[3]

Das Genie hat nicht mehr Licht als ein andrer, rechtschaffener Mensch – aber es sammelt dies Licht durch eine bestimmte Art von Linse in einem Brennpunkt.

24r[4] &
24v[1]

Worin wird die Seele von eiteln Gedanken bewegt, – wenn sie doch eitel sind? Nun sie wird von ihnen bewegt. (Wie kann der Wind den Baum bewegen, wo er doch nur Wind ist? Nun er bewegt ihn; & vergiß es nicht.)

24v[2]

Die Antwort zu manchen Problemen kannst Du nicht einfach durch Denken, sondern nur durch Üben erhalten.

25r[1]

Ich muß mir eine lange Zeit die Wange streicheln, ehe ich wieder bereit bin ein wenig zu arbeiten.

25r[2]

Wir sagen nicht: “Also so gehen wir!” sondern: “Also so geht es!”.

25r[3]

Wenn Einer sagt: “das Resultat der Rechnung findet man experimentell”, so müßte man antworten: “ja, wie soll er es denn finden?”

25r[4] &
25v[1]

Ist der Ausdruck der Entscheidung ein Satz, der sagt, daß ich mich so entscheide? Der bewiesene Satz als Ausdruck einer Entscheidung.

25v[2]

Diese Dinge sind feiner gesponnen, als grobe Hände ahnen.

25v[3] &
26r[1] &
26v[1] &
27r[1]

Ich lasse mich ablaufen & das Ende des Ablaufs ist der bewiesene Satz. Aber sagt dann der Satz etwas über diesen Ablauf? Wir haben ein Experiment gemacht – aber im Experiment wurde ein Satz erzeugt (wie sonst etwa eine chemische Verbindung). Und nun gibt es einen andern Satz, der sagt, daß jener Satz erzeugt wurde. – Aber wie, wenn ich als zum Ausdruck hiefür eben jenen Satz gebrauchte? Sodaß also “25 × 25 = 625” mir sagen soll, daß die Menschen, so & so abgerichtet, allgemein dies herausbringen. Nun so eine Aussage gibt es doch, hat doch einen guten Sinn. Und wenn das so ist – könnte man fragen –, soll es dann wirklich zwei Sätze geben: einen, der dieses anthropologische Faktum ausspricht, das doch offenbar für den Sinn der Arithmetik wesentlich ist, & einen andern, der sagt, daß 25 × 25 625 ist? Hier liegt der gewisse Unsinn nahe: “es kommt drauf an, wie wir den Satz meinen.” Man kann aber sagen: es kommt drauf an wie wir den Satz verwenden, was wir mit ihm tun.

27r[2]

“Aber daß 25 × 25 = 625 ist etwas, was wir vor dem Ausführen der Multiplikation nicht wußten.” – Könnte ich nicht auch sagen: dieser Satz ist einer, dessen Beweis wir vorher nicht kannten.

27r[3]

‘Der Beweis schafft einen Begriff.’

27v[1]

Wir sind alle gleich gestimmt, wir laufen alle gleich ab – – – aber heißt das, daß wir diese Gleichheit des Ablaufs unbedingt dazu verwenden, den Ablauf des Einen aus dem Ablauf des Andern vorherzusagen?

27v[2] &
28r[1]

Wer sagt, er sei neugierig zu wissen, was die Multiplikation … × … ergeben wird, könnte sagen, er sei neugierig zu sehen, womit er am Schluß übereinstimmen werde. – Das könnte aber ganz mißverstanden werden.

28r[2]

Unsre Zustimmung läuft gleich ab, – aber wir bedienen uns dieser Gleichheit des Ablaufs nicht einfach, um Zustimmungsabläufe vorauszusagen. Wie wir uns des Satzes “dies Heft ist rot” nicht nur dazu bedienen um vorherzusagen, daß die meisten Menschen es ‘rot’ nennen werden.


28r[3]

Worte & Erfahrung inkommensurabel.

28v[1]

Prüfe: “Das Wort ‘absolutes Gehör’ hat für mich nicht den Sinn, den es für den hat der absolutes Gehör besitzt.” “‘Sehen’ hat für mich einen andern Sinn als für den Blinden.” Soll ich auch sagen: “‘Blindheit’ hat für einen blinden einen andern Sinn als für mich.”?

28v[2] &
29r[1]

Man ist geneigt zu sagen daß für den Menschen mit absolutem Gehör gewisse Ausdrücke Sinn haben, die für einen anderen Menschen keinen Sinn haben.

29r[2]

‘Das Multiplizieren lehrt Dich, daß dieses Zeichen herauskommt. Und das hast Du nicht gewußt. Sie lehrt Dich also ein Dir neues empirisches Faktum.’ Aber halt – lehrt sie mich, daß dieses Zeichen am Ende dieses Beweises steht? Lehrt sie mich daß ich mit dieser Zeichenreihe übereinstimme?

29v[1]

Habe ich nicht gewußt was diese lange Multiplikation ergibt, so habe ich auch nicht gewußt was 50 + 1 ergibt.

29v[2] &
30r[1]

Es ist absolut wesentlich für’s Rechnen, daß ich immer wieder auf die gleiche Weise rechne & also immer wieder das gleiche Resultat kriege. Daß ich also voraussagen kann, ich werde wieder zu dieser Zahl gelangen. Aber das heißt natürlich auch: immer auf dem gleichen Weg zu dieser Zahl gelangen! D.h. immer wieder den gleichen Weg gehen. (Und das klingt schon ganz anders). Aber das Resultat der Rechnung kann diese Prophezeiung nicht sein. Aber warum nannte ich dann die Übereinstimmung ‘wesentlich für’s Rechnen’? Für mich während ich rechne, ist sie nicht wesentlich; wohl aber für das anthropologische Phänomen Rechnen.

30v[1] &
31r[1]

… Können wir uns denken, daß dies der einzige Nutzen des Multiplizierens wäre? Das Multiplizieren wäre dann wie eine Art automatischen Sprechens, der Zweck lediglich zu erfahren, was der Andre unter gleichen Umständen sagt. Dabei wäre natürlich ein Kriterium der Gleichheit der Umstände & des Gesagten nötig. Und nun könnte es sein daß der Andere zwar nicht das Gleiche, aber etwas nach einer gewissen Transformationsregel erhältliches sagte. Ich würde dann nach meinem automatischen Ablauf berechnen, was des Andern Ablauf sein wird. Das Rechnen gibt uns (hier) eine Vergleichsmethode. (v)

31r[2] &
31v[1]

Wenn ich sage: ein bestimmter Farbton sei unbeschreibbar, so habe ich natürlich eine bestimmte Art der Beschreibung im Sinn. Ich sage mir z.B.: nicht so, wie ein einfaches Ornament mit einfachen Farben beschreibbar ist. “Der Farbton ist nicht weiter zerlegbar”. – Nun, ich verlange nicht daß Dir seine Zerlegung gelingt, wenn es Dir nur gelingt, die Zerlegung zu versuchen.

31v[2]

Ich denke an eine bestimmte Methode der Beschreibung & sage: “sie paßt nicht”.

31v[3]

Wir denken dann an Beschreibungen, die der gewünschten Beschreibung noch am nächsten kommen, z.B. die Beschreibung von Farbenmischungen in verschiedenen Verhältnissen. Oder an Mischungen durch den Farbenkreisel.

31v[4] &
32r[1]

Von allen diesen Beschreibungsmethoden fühlen wir daß sie in die Nähe dessen kommen, wovon wir reden, es aber doch nicht treffen.

32r[2] &
32v[1]

‘Wir könnten uns denken, daß Engel solche Farbtöne beschreiben könnten.’ Aber wie stellen wir uns das vor? Sie würden, denken wir etwa in Hauchen die Farbe messen & sagen 3000 Hauche von Rot 450 von Gelb oder dergleichen. Aber was hindert uns daran, dies zu tun? Daß uns dies feine Verständnis mangelt. Können wir’s uns aber vorstellen? Nun, – man möchte sagen: “in einer Beziehung nicht.”

32v[2]

Und das heißt doch: daß wir es uns nicht vorstellen können in dem Sinn, in welchem wir uns vorstellen können, was wir selber erleben.

32v[3]

Wir sagen, daß, wer gewisse Erlebnisse gehabt hat, sie sich vorstellen kann, während es der Andre nicht kann.

32v[4] &
33r[1]

Das ist nun ähnlich, aber auch wieder ganz unähnlich dem Fall: wer dieses Muster besitzt, kann sich die Farbe vorstellen, der Andre nicht.

33r[2]

Soll es Erfahrungstatsache sein, daß, wer ein Erlebnis hatte, es sich vorstellen kann, & daß es der Andre nicht kann? (Wie weiß ich, daß der Blinde sich die Farben nicht vorstellen kann.) Aber: er kann ein Sprachspiel nicht spielen. Aber wie: erfahrungsgemäß, oder eo ipso? Das Letztere.

33v[1] &
34r[1]

Zu dem Sprachspiel mit “er hat Schmerzen” gehört – möchte etwa man sagen – nicht nur das Bild des Benehmens, sondern auch das Bild der Schmerzen. – Aber hier muß man sich in Acht nehmen: Denke an mein Beispiel von den privaten Tabellen, die nicht zum Spiel gehören. – Im Spiel zeigt sich die ‘private Tabelle’ durch die Abwesenheit einer Tabelle bei gleichzeitiger Ähnlichkeit des Spiels mit einem, welches mit einer Tabelle gespielt wird.

34r[2]

“Aber können die Spielenden nicht in Bezug auf ihre Erlebnisse lügen?” – Das Lügen ist ein sehr spezielles Sprachspiel – das gelernt wird. Betrachte andre Fälle, die nicht Lügen sind & in welchen wir doch nicht sagen würden, er habe das Erlebnis.

34r[3] &
34v[1]

Zu sagen “das Bild des Schmerzes tritt in’s Sprachspiel mit dem Worte ‘Schmerz’ ein”, ist ein Mißverständnis. Die Vorstellung des Schmerzes ist kein Bild & diese Vorstellung ist auch nicht durch etwas ersetzbar, was wir ein Bild nennen würden. Wohl aber tritt die Vorstellung in einem Sinn ins Spiel ein; nur nicht als Bild.

34v[2] &
35r[1]

Was lerne ich aus dem Induktionsbeweis des Distributionsgesetzes, wenn ich dieses schon annehme? Wie, wenn ich sagte: Ich lerne einen beliebigen Satz von der Form ‘a + (b + c) = (a + b) + c’ aus Satz ‘a + (b + 1) = (a + b) + 1’ erzeugen & zwar entsprechend gewissen Transformationsregeln? Wäre, ihn so zu erzeugen, analog einer euklidischen Konstruktionsaufgabe? Was ist aber davon der grammatische Nutzen? (Hier ist mir noch etwas gänzlich unklar.)

35r[2] &
35v[1]

Der Philosoph braucht Geduld in dem Leiden der Unsicherheit. Wenn Mathematiker sich an philosophische Probleme heranmachen, sind sie zu ungeduldig im Ertragen der Unklarheit; wollen auf dem schnellsten Weg (von ihr) befreit werden, & können daher das Problem nicht lösen, sondern nur oberflächlich zudecken.

35v[2] &
36r[1]

∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣

‘Wir können uns nicht vorstellen, wie es ist, wenn Einer diese Striche als Gestalt sieht.’ – Wir können uns jede Reaktion des Menschen vorstellen, von dem wir sagen würden, er tut es. ‘Wir können uns aber sein Erlebnis nicht vorstellen.’

36r[2] &
36v[1]

Wer nun aber sagt, er habe dies Erlebnis, – ist er auch berechtigt, es zu sagen? Sollen wir nicht sagen: das könnten wir nicht wissen, es hinge ja eben von seinem Erlebnis ab? Das ist falsch: Ob er berechtigt ist, diesen Ausdruck zu gebrauchen, können wir wohl wissen, so gut wie er selbst. Die Rechtfertigung des Gebrauches ist nicht ‘das Erlebnis’. Nicht im grammatischen Sinn nämlich.

36v[2] &
37r[1]

Ich habe in meinem Alter von hervorragenden Menschen gute Manieren gelernt; sozusagen Kinderstube; aber auch das höchst unvollkommen.

37r[2]

Man kann nicht die Wahrheit sagen, wenn man sich noch nicht selber bezwungen hat. Man kann sie nicht sagen; – aber nicht, weil man noch nicht gescheit genug ist.

37r[3] &
37v[1]

Nur der kann sie sagen der schon in ihr ruht; nicht der, der noch in der Unwahrheit ruht, & nur einmal aus der Unwahrheit heraus nach ihr langt.

37v[2]

Wie weiß ich, daß ich mir Purpur vorstellen kann und nicht ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ als Gestalt gesehen? Wie weiß ich, daß, was ich mir vorstelle, Purpur ist, & daß, was ich mir schon manchmal vorgestellt habe, nicht die Gestalt ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ ist?

37v[3]

Die Vorstellung ist keine Rechtfertigung aber das (materielle) Bild ist eine Rechtfertigung.

37v[4] &
38r[1]

Es gibt auch eine Rechtfertigung für den Gebrauch der Worte: “das kann ich mir vorstellen”. Angenommen, Einer sagte: “Ich kann mir vorstellen, was die Pavlova bei diesem Tanz erlebt hat”, so könnte man fragen: “Wie kannst Du Dir das vorstellen; was hast Du ähnliches erlebt?” – Wenn er nun antwortete: “Das ähnlichste Erlebnis, das ich hatte, war, mir vorzustellen, wie es Mozart beim Komponieren zu Mute war”. –

38v[1]

Helmholtz sagte, er hätte sich in seltenen Momenten den 4-dimensionalen Raum vorstellen können. – Was ist dazu zu sagen?

38v[2] &
39r[1]

“Nichts leichter als Dir einen 4-dimensionalen Würfel vorstellen! er schaut so aus: …” – Aber das meine ich nicht, ich meine etwas wie

nur mit 4 Ausdehnungen! – “Aber ist nicht, was ich Dir gezeigt habe eben etwas wie

nur mit 4 Ausdehnungen?” – Nein; – das meine ich nicht! – – – Was aber meine ich? Was ist mein Bild? Nun der 4-dimensionale Würfel wie Du ihn gezeichnet hast, ist es nicht! Ich habe jetzt als Bild nur die Worte & die Ablehnung alles dessen, was Du mir zeigen kannst.

39r[2]

“Ich kann es mir insofern vorstellen, als ich auch schon …”.

39r[3] &
39v[1]

Bin ich berechtigt, zu sagen: “ich kann mir ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ nicht als Gestalt vorstellen”? Was berechtigt mich dazu? (Was berechtigt den Blinden zu sagen, er könne nicht sehen?)

39v[2]

“Nun, – Dein Erlebnis, – daß Du ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ nur als unbestimmte Menge siehst!” – Und was berechtigt mich das zu sagen? Wieder mein Erlebnis? – (Quelle des Mißverständnisses.)

39v[3] &
40r[1]

Aber ich kann Einem antworten: “Nun ich sehe ∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣∣ nur als unbestimmte Menge, ich könnte z.B. nicht sagen, wo die Mitte ist, ich kann es nicht als das wiedererkennen, was sich so zerlegen läßt – – – ist das keine Rechtfertigung?” – Und der Andre könnte dann sagen: “Ja, das ist eine Rechtfertigung.”

40r[2]

The image corresponding to “I can’t imagine” is a blank.

40r[3] &
40v[1]

Ein Gesellschaftsspiel, in welchem es heißt: “Stell Dir … vor.” Z.B.: “Denk Dir eine Zahl” etc. etc. Wie lehrt man das Spiel. Wie weiß man ob Einer richtig spielt? Heißt “schwindeln”: sich etwas falsches vorstellen?

40v[2]

Wozu sage ich: ich kann mir nicht vorstellen was man da für Empfindungen hat, wenn man jongliert wie Rastelli?

40v[3] &
41r[1]

“Was ich kann, kann ich mir vorstellen.” – Inwiefern? Nun, ich kann es tun, & ich kann mich dran erinnern, es getan zu haben.

41r[2]

“Das Gefühl, was ich (selber) hatte, kann ich mir vorstellen.” – Notwendigerweise? Wie, wenn ich’s gänzlich vergessen habe? – Wenn ich mich aber daran erinnere – dann eher durch diese Erinnerung. – Wie aber wenn sich mein Gedächtnis irrt?

41r[3] &
41v[1]

Wie, wenn Einer sagte: “ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist, wenn man einen Sessel sieht, außer, wenn ich ihn gerade sehe”? Wäre er berechtigt das zu sagen?

41v[2]

In welchen Gesprächszusammenhängen sagt man: “Ich kann mir nicht vorstellen wie es Mozart erlebt hat als …”.

41v[3] &
42r[1]

Die Erfahrung: neue Erfahrungen kennenzulernen. Etwa beim Schreiben. Wann sagt man, man habe eine neue Erfahrung kennengelernt? Wie gebraucht man so einen Satz?

42r[2]

“Ich kann ∣∣∣∣∣∣∣∣ nicht als Gestalt sehen” – hat das einen Sinn, wenn’s niemand kann? Hätte es einen Sinn von einem seelischen Phänomen zu sprechen das nicht existiert?

42r[3] &
42v[1]

Wie gebraucht man tatsächlich “ich kann ∣∣∣∣∣∣∣∣∣ nicht als Gestalt sehen”, 1) wenn es einen gibt der’s kann 2) wenn nicht. Wie weiß ich, daß diese Worte Sinn haben? Wenn ich auch versucht bin, sie zu sagen. – (Ich kann mich nicht selbst einholen.)

42v[2]

‘Du kannst Dir’s nicht vorstellen, denn Du kannst’s nicht tun!’

42v[3]

Auf seinen Lorbeeren auszuruhen ist so gefährlich, wie auf einer Schneewanderung ausruhen. Du nickst ein & stirbst im Schlaf.

43r[1]

Wo ist das Problem, das Sprechen zu sich selbst betreffend? Zweifle ich daran, daß Leute es tun? Zweifle ich daran, daß dieser Ausdruck einen Sinn hat? – – – Es besteht eine Schwierigkeit; die offenbar mit dem Vergleich des Gebrauchs dieses Ausdrucks & andrer Ausdrücke zu tun hat.

43r[2] &
43v[1]

Erschwert wird dieser Vergleich durch Ausdrücke wie: “Ich bin absolut sicher, daß ich mir das vorgesagt habe” & “Ich zweifle nicht daran, daß Du es getan hast”.

43v[2]

Beschreibe – erkläre nicht!

43v[3]

Wenn das Spiel ohne Ball gespielt wird, gewöhne Dich daran, es so zu beschreiben & nicht das Bild des Ballspiels zu gebrauchen.

43v[4]

“Ich glaube, daß Du es Dir vorgestellt hast.”

43v[5]

“Ich glaube, daß Du es wirklich glaubst.”

43v[6] &
44r[1]

Bleib stehen, renn nicht am philosophischen Ziel vorbei!

44r[2]

“Phantasievorstellungen sind blasser als Sinneswahrnehmungen.” – Kann man also dem, der die nicht kennt, sie durch diesen Satz erklären?

44r[3]

Spiel, bei dem man sich einen Ball vorstellen muß.

44r[4] &
44v[1]

‘Der Gegenstand, von dem wir reden, zerrinnt uns vor den Augen.’ – Was heißt das? Es heißt: Wenn wir die Grammatik der physikalischen Gegenstände zum Vorbild nehmen, so haben wir uns hier Gegenstände zu denken, die alles oder nichts sein können.

44v[2]

In einem Ausdauerrennen gibt es kein Ziel.

44v[3]

Alle Menschen haben immer gelogen, wenn sie sagten daß sie Schmerzen fühlen.

44v[4] &
45r[1]

Die Sprache ist eine Institution. Beschreibung & Ausdruck eines Gefühls: Beschreibung nennen wir wesentlich etwas in einem System von Beschreibungen.

45r[2]

Denn die Beschreibung soll mich lehren, wie es ist: & wie es ist muß ich also anders ausdrücken können als durch die Wiederholung der Beschreibung selbst.

45r[3] &
45v[1]

Wenn Einer behauptet “ich kann mir ganz vorstellen wie es ist, absolutes Gehör zu haben” ohne daß er es hat, so würden wir ihm sagen, das sei nicht möglich. Wir würden ihm sagen: Wir verstehen Dich nicht. Und der Grund ist, daß wir seine Äußerung nicht anerkennen, wenn er Gewisses nicht tun kann.

45v[2] &
46r[1] &
46v[1]

Welche attitude unsrerseits ist gegen den Andern berechtigt: Er sagt, etwa, ich habe furchtbare Schmerzen, sagt es ohne äußeren Anlaß, & ohne andre Zeichen des Schmerzes, ist ein durchaus wahrheitsliebender Mensch, weiß was ‘Schmerz’ heißt, wünscht kein Mitleid. Welche Attitude unsrerseits ist berechtigt die des Glaubens, die des Unglaubens? Ursprünglich dachte man sich die Rechtfertigung in ihm; & nun fühlen wir sie liegt nicht mehr in ihm sondern außer ihm. Oder: Wir sahen die Rechtfertigung immer unter dem Bilde des innern Vorgangs: Wenn nur der der rechte ist, ist die Äußerung gerechtfertigt; auf die äußern Zeichen kommt’s nicht an.

46v[2]

“Wenn ein Mensch sagt ich habe Schmerzen so ist er dazu berechtigt, wenn er ein gewisses Gefühl hat, & nicht, wenn er es nicht hat.” Warum sagt man nicht: er ist berechtigt, wenn er Schmerzen hat? Weil man auf ein Ziel hinsteuert, welches man nicht erreicht. Unser Satz kann auch als grammatischer dienen.

47r[1] &
47v[1]

“Der Richter ist berechtigt den Mann des Mordes schuldig zu sprechen, wenn der Mann gemordet hat.” “Der Richter ist berechtigt den Mann des Mordes schuldig zu sprechen, wenn der Mann eine bestimmte Tat vollbracht hat.” “…, wenn der Mann absichtlich getötet hat.” – Wie beurteilt der Richter die Absicht? Schaut er in den Mann hinein? Ja, er tut es! – Nun ist dies nicht, in gewissem Sinne wahr? – Aber warum befriedigt es uns nicht?

47v[2]

Das Eisen ist, ist nicht, in FeS enthalten.

47v[3]

“Das Kind kann lesen aber nicht sprechen.”

47v[4]

‘Das Erlebnis wird zu einem x’ – Wie wird es das? Wie, wenn ich sagte: “Ich habe x Äpfel gegessen & mir daher den Magen verdorben”? Ist dies eine Erklärung? Aber es kann die Einleitung zu einer sein.

48r[1]

Warum hast Du verheimlicht, wie der Richter in den Verbrecher hineinschaut? War das nicht wichtig? – Warum sagst Du nicht, wie wir die Wahrhaftigkeit eines Menschen prüfen?

48r[2]

Du willst doch nicht die Wahrheit; Du willst Dich selbst!

48r[3] &
48v[1]

Der Künstler sieht das Wesentliche? Er lehrt uns das Wesentliche sehen? – Er stellt etwas als das Wesen hin. Er bringt uns dahin, nun das als wesentlich anzuerkennen.

48v[2] &
49r[1]

“Beschreiben” heißt ein Beschreibungsspiel spielen. – Wie sieht so ein Spiel aus? Wir geben dem Andern eine Beschreibung & er soll irgendwie nach ihr handeln; & dadurch zeigen, daß er die Beschreibung verstanden hat. – Da gibt es sehr verschiedene Fälle! Beschreibungen einer Anordnung von Körpern, Beschreibung von Farben, Beschreibungen von Körperempfindungen, von Stimmungen, etc.

49r[2]

“Beschreibe Deine Empfindungen bei der Zeile ‘In allen Wipfeln …’!” Ist es klar, was hier gemeint ist? Was hier als Kriterium dafür gilt, daß der Andere aufgefaßt hat?

49r[3] &
49v[1]

Ich beschreibe Einem ein Zimmer & lasse ihn dann zum Zeichen, daß er meine Beschreibung verstanden hat ein impressionistisches Bild nach dieser Beschreibung malen. – Er malt nun die Stühle die ich als grün beschrieben habe dunkelrot, wo ich gelb sagte, malt er ein Blau. Das ist der Eindruck, den er von diesem Zimmer erhielt. Und nun sage ich: “Ganz richtig – so sieht es aus.”

49v[2] &
50r[1] &
50v[1]

“Aber kannst Du die Atmosphäre beschreiben die diese Farbe (diese Zeile) umgibt?” – Warum soll ich nicht die Atmosphäre zur Farbe rechnen & sagen: wenn ich die Farbe beschreibe, beschreibe ich damit, was Du diese ‘Atmosphäre’ nennst. Will ich sie ‘ohne diese Atmosphäre’ beschreiben, dann muß ich der Beschreibung etwas hinzufügen. Aber die Frage ist: In welchem Falle sage ich, ich habe die Atmosphäre vermittelt, & in welchem Falle, ich habe nur die Worte (Farbe), aber nicht ihre Atmosphäre vermittelt. Ich meine: in welchem Fall sage ich die Vermittlung sei gelungen? Oder: wie unterscheiden sich die Fälle in denen das eine & in denen das andere (ich sage nicht: “nur das andre”) vermittelt wurde?

50v[2] &
51r[1]

Wie schaut das Beschreibungsspiel, auf das Du hinzielst, (tatsächlich) aus?

51r[2]

“Beschreibe, wie das ist, wenn Du Dich an … erinnerst.” – “Beschreibe Dein Erinnerungserlebnis!” – Nun Du hast doch ein Erinnerungserlebnis! – läßt es sich nicht beschreiben? Wie, wenn ich sagte: “Es ist eine Atmosphäre um meine Worte – – – aber wie soll ich diese Atmosphäre übermitteln? Was wirst Du eine (solche) ‘Übermittelung’ nennen?” –

51v[1] &
52r[1]

“Aber ist die Empfindung nicht nur dann übertragen, wenn der Andre sie (wirklich) hat? Die Kriterien seines Verhaltens sind nicht die Empfindung.” – Nein, sie sind es nicht – – – aber verschiedene Kriterien entsprechen doch der Übertragung verschiedener Empfindungen. – Oder wenn Du willst: diese Kriterien sind dann Kriterien dafür wie wir hier das Wort “gleich” verwenden.

52r[2]

Wie, wenn ich Dir zugäbe: “Ja, eine Empfindung muß übertragen worden sein, – die Frage ist bloß, ob ich sie die ‘gleiche’, wie meine, nennen soll.”

52r[3] &
52v[1]

Was heißt es: eine Empfindung mit einem Wort bezeichnen, benennen? Gibt es da nichts zu untersuchen?

Denk Dir Du kämest von einem Sprachspiel mit Bausteinen – & nun hieße es, es werden jetzt auch Empfindungen benannt. Wäre das nicht, als würde zuerst (nur) von einer Übertragung des Besitzes & dann auf einmal von einer Übertragung der Freude am Besitz oder des Stolzes auf den Besitz gesprochen. Müssen wir da nicht etwas Neues lernen? Etwas neues, was wir auch ‘übertragen’ nennen.

52v[2] &
53r[1]

Der Vorteil der Betrachtung der Sprachspiele ist eben, daß sie uns stufenweise erblicken läßt, was wir sonst nur in einem einzigen – verworrenen Knäuel sehen.

53r[2]

Verstehen wir den Satz: ‘Ich habe soviel Paar Schuhe, als der Gleichung x² ‒ 2x + 2 = 0 genügen’?

53r[3] &
53v[1]

Die ungeheure Eitelkeit der Wünsche zeigt sich dadurch, daß ich z.B. den Wunsch habe, ein schönes Schreibebuch sobald wie möglich vollzuschreiben. Ich habe nichts davon; ich wünsche es nicht etwa, weil es nur meine Produktivität anzeigt; es ist bloß das Verlangen, etwas schon Gewohntes recht bald los zu werden; obwohl ich ja, sobald ich es los geworden bin, ein neues anfangen werde & sich dasselbe wiederholen muß.

53v[2]

‘Sind Nachbilder Vorstellungen? Wo liegt der Unterschied?’

54r[1]

Ein gutes Motto für mein Buch wäre: “Ein Schuft: der mehr gibt, als er hat.”

54r[2]

Wenn ich einen Mann für einen Mast halte, – habe ich ein ‘nn’ für ein ‘st’ gehalten? Und wie, wenn ich es so auszudrücken versucht wäre?

54r[3] &
54v[1]

Auf die Frage: verstehst Du diesen Satz bin ich geneigt ‘ja’ zu sagen, ich bin geneigt zu sagen, das Verstehen sei ein geistiger Akt, ich bin geneigt zu sagen … – Sind wir nun befriedigt?

54v[2]

“Was besagt der Satz, dieser Blinde könne sich Farben vorstellen?” – Was für eine Art Antwort willst Du für so eine Frage gelten lassen? Was lassen wir gewöhnlich als Erklärung in so einem Fall gelten? D.h., welche Wirkung erwarten wir von einer Erklärung? Die Erklärung soll in die Ferne wirken.

54v[3] &
55r[1] &
55v[1]

Warum soll man nicht sagen: “die Vorstellung ist privat”, “niemand kann wissen, was ich sehe” etc., etc.? Was schadet es, das zu sagen? Nehmen wir an, man würde sagen: ‘es führt zu Verwechslungen’ – wäre das wahr?! Führt es zu Verwechslungen? Man könnte aber z.B. sagen: es führt zu Beunruhigungen dazu, daß wir uns nicht auskennen, d.h., verwirrt werden. Manchmal dazu, daß wir gewissen Dingen unsre Aufmerksamkeit schenken die sie sonst nicht angezogen hätten. Es führt dazu, daß es uns philosophisch vor den Augen flimmert. Daß wir im Kreise geführt werden. – Aber was schadet das? –

55v[2] &
56r[1]

Schopenhauer, könnte man sagen, ist ein ganz roher Geist. D.h.: Er hat Verfeinerung, aber in einer gewissen Tiefe hört diese plötzlich auf & er ist so roh, wie der Roheste. Dort, wo eigentliche Tiefe anfängt, hört die seine auf.

56r[2]

Man könnte von Schopenhauer sagen: er geht nie in sich.

56r[3]

Ich sitze auf dem Leben, wie der schlechte Reiter auf dem Roß. Ich verdanke es nur der Gutmütigkeit des Pferdes, daß ich jetzt gerade nicht abgeworfen werde.

56r[4] &
56v[1]

‘Beschreibe mir, wie Du Dich jetzt fühlst! – Nun – fühlst Du Dich jetzt nicht irgendwie?!

56v[2]

‘Beschreibe mir seinen Gesichtsausdruck! Nun – er hat doch irgendeinen Gesichtsausdruck!’

56v[3] &
57r[1]

‘Welchen Eindruck macht Dir dieser Tisch?’ – ‘Keinen besonderen Eindruck.’ Könnte man hier sagen: er müsse Einem irgend einen Eindruck machen? ‘Du hattest keinen besonderen Eindruck?! Aber hast Du ihn z.B. nicht als Tisch erkannt, & als den Tisch der hier immer steht, & als einen sehr gewöhnlichen Tisch etc.?’

57r[2]

Die Beschreibung des Eindruckes. Wie verwenden wir Beschreibungen des Eindruckes? Im Gegensatz zu ‘Beschreibungen des Objekts’.

57r[3]

‘Diese Melodie macht mir einen starken Eindruck’ – Ist es klar, daß es eine Beschreibung dieses Eindrucks gibt?

57v[1]

Den Eindruck als Atmosphäre gesehen: ‘Diese Melodie ist mit einer starken Atmosphäre umgeben’. Aber mit welcher Atmosphäre? Was würden wir eine Angabe, Beschreibung dieser Atmosphäre nennen?

57v[2]

Die Beschreibung einer Atmosphäre ist eine spezielle Sprachanwendung, zu speziellen Zwecken.

57v[3] &
58r[1]

Deuten des ‘Verstehens’ als Atmosphäre; als geistiger Akt. Man kann zu allem, eine Atmosphäre hinzukonstruieren.

58r[2]

Beschreib das Aroma des Kaffees! – Warum geht es nicht? Fehlen uns die Worte? Und wofür fehlen sie uns? – Woher aber der Gedanke, es müsse doch so eine Beschreibung möglich sein? Ist Dir so eine Beschreibung je abgegangen? Hast Du versucht das Aroma zu beschreiben & es ist Dir nicht gelungen?

58v[1]

Verstehst Du den Satz: “Beschreib das Aroma des Kaffees”?

58v[2]

Ich will unbedingt etwas sagen. Sagt das, als was der Andre es werten soll?

58v[3] &
59r[1]

“Das Aroma beschreiben” nennen wir eine bestimmte Sprachverwendung. Z.B.: ‘Das Aroma dieses Kaffees ist ähnlich diesem aber stärker gebrannt.’ Wenn man glaubt, es gebe abgesehen von solchen Beschreibungen noch etwas anderes was in einem eminenteren Sinn die Beschreibung des Aromas wäre, so läuft man einer philosophischen Schimäre nach.

59r[2] &
59v[1]

‘Der Eindruck (den diese Melodie macht) ist völlig unbeschreibbar.’ – Das heißt: eine Beschreibung tut’s (für meinen Zweck) nicht; Du mußt die Melodie hören. Wenn die Kunst dazu dient ‘Gefühle zu erzeugen’, ist, am Ende, ihre sinnliche Wahrnehmung auch unter diesen Gefühlen?

59v[2]

Kann man ein Erinnerungserlebnis beschreiben? – Gewiß. – Aber kann man das Erinnerungshafte an diesem Erlebnis beschreiben? Was heißt das?

59v[3]

Wie weißt Du, daß es einen Sinn hat zu sagen, man beschreibe ein Gefühl?

59v[4] &
60r[1] &
60v[1]

Meine Originalität, (wenn das das richtige Wort ist), ist, glaube ich, eine Originalität des Bodens, nicht des Samens. (Ich habe vielleicht keinen eigenen Samen.) Wirf einen Samen in meinen Boden, & er wird anders wachsen, als in irgend einem andern Boden. Auch die Originalität Freud’s war, glaube ich, von dieser Art. Ich habe immer geglaubt – ohne daß ich weiß, warum – daß der eigentliche Same der Psychoanalyse von Breuer, nicht von Freud herrührt. Das Samenkorn Breuers kann natürlich nur ganz winzig gewesen sein. (Mut ist immer originell.)

60v[2]

Die Menschen heute glauben, die Wissenschaftler seien da, sie zu belehren, die Dichter & Musiker etc., sie zu erfreuen. Daß diese sie etwas zu lehren haben; kommt ihnen nicht in dem Sinn.

60v[3] &
61r[1]

Das Klavierspielen, ein Tanz der menschlichen Finger.

61r[2]

Was für eine Art Satz ist das: “Braun hat nicht den Charakter der primären Farben Rot, Blau, Grün, Gelb.”? Nun es ist eine Äußerung. Eine sehr wichtige Äußerung. Ein Anfang von Tätigkeiten.

61r[3]

Ja, – das sind wir geneigt zu sagen. – Und warum sage ich: wir sind ‘geneigt, das zu sagen’? –

61r[4] &
61v[1]

Shakespeare, könnte man sagen, zeigt den Tanz der menschlichen Leidenschaften. Er muß daher objektiv sein, sonst würde er ja nicht den Tanz der menschlichen Leidenschaften zeigen – sondern etwa über ihn reden. Aber er zeigt sie uns im Tanz, nicht naturalistisch. (Diese Idee habe ich von Paul Engelmann.)

61v[2] &
62r[1]

“Das Wort ‘rien’ ist dasselbe wie das Wort ‘res’.” Verstehst Du das? Ja. Aber verstehst Du es auch gewiß? Weißt Du, genau welche Art von Zusammenhang hier gemeint ist? Verstehst Du die Formel H2O, wenn Du zwar weißt, sie sage daß ein Molekül Wasser aus 2 Atomen Sauerstoff … bestehe, aber nicht weißt, welche Art von Experiment, Verifikation, diesen Worten entspricht?

62r[2]

Moore hat Gewissen; aber wenig Herz.

62r[3] &
63v[1]

Er ist, wahrscheinlich in seinen Zuneigungen & seinen Abneigungen pueril. Sein Herz ist also etwa eine Knospe die nicht verdorrt, aber auch nie voll aufgeblüht ist. Er spornt niemand an.

62v[2]

Das spezifische Gewicht eines Satzes sieht man nicht. Sein Volumen sieht man.

62v[3]

Gute Gedanken in der Philosophie müssen von weither kommen.

62v[4]

Denn nur was von weither genommen ist, kann unsern Gesichtspunkt ändern.

63r[1]

Die Gleichnisse des N.T. lassen jede beliebige Tiefe der Interpretation zu. Sie sind ohne Boden.

63r[2]

Sie haben weniger Stil, als das erste Sprechen eines Kindes. Auch im höchsten Kunstwerk ist noch etwas, was man ‘Stil’, ja auch, was man ‘Manier’ nennen kann.

63r[3] &
63v[1]

Mir ist, als lägen mir hundert Dinge vor den Augen, die nur beschrieben werden brauchen & es werden wichtige Erkenntnisse an den Tag gefördert. Aber ich bin zu dumm, sie zu greifen.

63v[2] &
64r[1]

– – – Ich kann z.B. sagen: ich bin in eine Rechnung hineingekommen, die mir verschiedene Resultate für eine Multiplikation, z.B., liefert. Ich kann diesen Kalkül daher für die Zwecke des Multiplizierens nicht verwenden. Ich weiß aber nicht, was ich vermeiden muß, um im Eindeutigen zu bleiben, es sei denn ich vermeide alles Rechnen mit Klammer ausdrücken. Nun worin besteht dieses mich nicht Auskennen? Und soll ich nun sagen: hier habe ich überhaupt keinen Kalkül.

64r[2] &
64v[1]

“Es sollte doch wieder das Gleiche herauskommen; & es kommt etwas andres heraus!” – Ich muß mich verrechnet haben. Angenommen, dann finde ich, ich habe mich nicht verrechnet, sondern etwas in den Prinzipien meines Kalküls übersehen – was ist das für eine Änderung? Muß ich die neue Entdeckung annehmen?

64v[2]

‘Was halb voll ist, ist halb leer; darum ist, was ganz voll ist, ganz leer.’

64v[3] &
65r[1] &
65v[1]

10.04.1940 Die Erfindung eines Mechanismus zur Erzeugung irgend einer gewünschten Bewegung; ist sie auch eine physikalische Entdeckung? Sagt der, der auf die Idee kommt, Zahnräder, Hebel & Stangen so & so zu verbinden, er habe eine neue physikalische Entdeckung gemacht? Freilich entdeckt er daß sich Maschinenteile in dieser neuen Verbindung so wie gewöhnlich, & wie zu erwarten war, benehmen. Aber nennt man das: eine Entdeckung machen? Hat wer den Zipverschluß erfand, so eine Entdeckung gemacht? Ist so eine Erfindung nicht in einer Weise ähnlich der einer Rechnungsweise? Und verschieden, z.B., von der Erfindung des Schießpulvers.

65v[2] &
66r[1]

17.04.1940 Die Inkonsistenz der gewöhnlichen Sprache ist offenbar ganz harmlos. Das heißt aber nicht, daß Inkonsistenz in speziellen Fällen, für gewisse Techniken der Verwendung von Symbolen, nicht äußerst unerwünscht sein kann. Und man wird dann Vorsichtsmaßregeln ergreifen.

66r[2] &
66v[1]

30.06.1940 ‘Was muß man aus der Logik ausschneiden, um die Möglichkeit des Widerspruchs zu beseitigen?’

66v[2]

Was ist die Schwierigkeit? Die Schwierigkeit ist, den Fall mißzuverstehen. Warum ist es schwierig ihn richtig zu verstehen? Wir sehen ihn nicht durch das Medium der richtigen Beispiele. Wir sehen nicht die wichtigen Aspekte. Wir phrasieren das Thema nicht, wie es aufschlußreich wäre, es zu phrasieren.

66v[3] &
67r[1]

Die wichtigsten Aspekte des Falles sind mir unzugänglich, weil ich die Möglichkeiten nicht übersehe.

67r[2]

Schau es auf eine neue Art, durch ein neues Schema an.

67r[3]

Mache eine andere Art von Vergleich!

67r[4] &
67v[1]

02.07.1940 Das Verführerische der kausalen Betrachtungsweise ist, daß sie einen dazu führt zu sagen: “Natürlich, so muß es geschehen.” Während man denken sollte: so, & auf viele andere Weisen kann es geschehen sein.

67v[2]

Wenn wir die ethnologische Betrachtungsweise verwenden, heißt das, daß wir die Philosophie für Ethnologie erklären? Nein es heißt nur, daß wir unsern Standpunkt weit draußen einnehmen, um die Dinge objektiver sehen zu können.

68r[1]

13.08.1940 Du zeigst mir einen neuen Gegenstand & sagst: “Was sagst Du nun dazu?” – Und ich: “Was kann ich dazu sagen? – doch nur daß …”.

68r[2]

14.08.1940 Du kannst die Worte “consequent” & “inconsequent” nicht mathematisch definieren.

68r[3] &
68v[1]

Eine Kontradiktion p ∙ ~p kann man doch immer auffassen als ~(p) ∙ ~(~p) & das als den Satz: ich will weder p behaupten, noch ~p.

68v[2]

Eine meiner wichtigsten Methoden ist es mir den historischen Gang der Entwicklung unsrer Gedanken anders vorzustellen als er in Wirklichkeit verlaufen ist. Tut man das so zeigt uns das Problem eine ganz neue Seite.

68v[3] &
69r[1]

Warum sollte ‘p ∙ p’ nicht p bedeuten? Das ‘’ im zweiten Teil ist nämlich ironisch gemeint. –

69r[2] &
69v[1]

18.08.1940 Kommt, was ich sagen will, nicht darauf hinaus, daß, an einem gewissen Punkt ein Beweis uns nicht größere Gewißheit gibt als die übrigen Umstände ohne einen Beweis? Aber es handelt sich um Gewißheit & Beweis. Und darum: ob ein Beweis einen Kalkül admissibel machen kann.

69v[2]

19.08.1940 Dasjenige, wogegen ich mich wehre, ist der Begriff einer idealen Exaktheit der uns sozusagen a priori gegeben wäre. Zu verschiedenen Zeiten sind unsere Ideale der Exaktheit verschieden; & keines ist das höchste.

69v[3] &
70r[1]

20.08.1940 Was ist ‘der ideale Kalkül’? Ideal zu welchem Ende?

70r[2]

21.08.1940 Es ist oft nur sehr wenig unangenehmer die Wahrheit zu sagen, als eine Lüge; etwa nur so sehr wie bittern Kaffee zu trinken als süßen; & doch neige ich auch dann stark dazu, die Lüge zu sagen.

70v[1]

Ja, aber hat es nicht auch seinen Grund, warum dieses Bild den Satz rechtfertigt? – Dieser Grund liegt außerhalb der Lage.

70v[2]

Der Satz ist sozusagen die Moral an dem Beweis.

70v[3]

Warum Du geneigt bist den Satz auf diese formale Prüfung hin zu gebrauchen das hängt mit der Technik unseres Gebrauchs der Sätze zusammen.