Ms-165

FCv[0]

Sprache eine Institution

1 Fuß = 12 Zoll. Erfahrungssatz? Regel & Erfahrungssatz.

Wer einen math. Satz weiß soll noch nichts wissen.

Wie kann die bloße Umformung des Ausdrucks von praktischer Bedeutung sein.

Rechensatz & Vorhersage

Anmerkungen über Regeln

Bemerkungen über die Philosophie:

Kann einer Regel folgen ein einmaliger Vorgang sein.

FCv[1]

Wie tritt er in diese Vorgänge ein: Ich stach nach ihm, ich vergiftete ihn, ich sprach zu ihm, ich stellte mir ihn vor, ich erwartete ihn, ich ehre ihn.

FCv[2]

Ich, wie alle Menschen welche ich kenne, finde es so viel leichter nicht zu denken, als zu denken.

2[1]

Es ist oft schwer zu unterscheiden, was Grenzen sind, die die Erfahrung zieht, & welche Grenzen die Betrachtungsweise zieht.

2[2] &
3[1]

Ich könnte auch im Verlauf einer Beschäftigung so handeln, daß man sagen könnte ich habe ohne Worte gedacht “sind zwei Größen einer dritten gleich so sind sie untereinander gleich.” Aber was dabei vor sich geht ist nicht etwas was jene Worte begleitet wenn sie nicht papageienhaft ausgesprochen werden.

3[2] &
4[2]

Aber wie “kein körperlicher Vorgang”? So gibt es unkörperliche Vorgänge & das Denken ist nicht einer von ihnen? Nein; das Wort ‘unkörperlicher Vorgang’ nahm ich nur zu Hilfe, in meiner Verlegenheit, da ich dem Wort “denken” seine Bedeutung auf primitive Weise beilegen, geben wollte. Freilich könnte man sagen das Denken, sei ein unkörperlicher Vorgang wenn man die Grammatik des Wortes “denken” z.B.

4[2] &
5[1] &
6[1]

von dem des Wortes “essen” unterscheiden will. Aber der Fehler ist hier, daß der Unterschied der Bedeutungen dadurch dann viel zu gering erscheint. Ähnlich wie wenn man sagt: die Zahlzeichen seien wirkliche, die Zahlen nicht wirkliche Gegenstände. Eine schlechte Ausdrucksweise ist das beste Mittel in einer Konfusion stecken zu bleiben. Sie verriegelt gleichsam den Ausweg aus ihr. Aber ist es nicht das Meinen, das dem Satz Sinn gibt? (Und dazu gehört natürlich: sinnlose Wortreihen kann man nicht meinen.) Und das Meinen ist etwas im Reich der Seele. Aber es ist auch etwas Privates! Es ist das ungreifbare Etwas; vergleichbar nur dem Bewußtsein selbst. Wie könnte man das lächerlich machen; es ist ja gleichsam ein Traum unserer Sprache. Der ungreifbare Gegenstand.

6[4]

Ich könnte mir denken, daß Einer sagte: Eigentlich redet Jeder nur zu sich selber. Denn auch nur er weiß was er meint. – Aber dann hätte er eigentlich sagen sollen : “Eigentlich redet Jeder nur für mich. Denn nur ich weiß, was Worte bedeuten.” Aber warum sollte mich so eine Erscheinung interessieren?

7[1]

Denk Dir, statt in einen Stein würdest Du in ein Grammophon verwandelt.

7[2]

Aber wenn dem Satz mein Meinen seinen Sinn gibt, – so muß es ihm natürlich diesen Sinn geben, einen von mehreren möglichen.

7[3]

Der Sinn ist das Leben des Satzes; ohne ihn wäre er tot. Ein bloßer Leichnam.

7[4] &
8[3]

Aber hier mache ich einen seltsamen Fehler. Ich rede vom Toten als von dem, dem etwas

fehlt. Ich sehe das Leben unbedingt als etwas dem Toten addiertes an.

8[4] &
9[1]

Wenn ich den Satz meine, so muß ich ihm doch einen bestimmten Sinn geben, nicht einfach Sinn. Und der bestimmte Sinn des Satzes muß doch mit seiner Verwendung zusammenhängen. D.h. Wenn ich den Satz meine, so blase ich ihm nicht einfach Seele ein, erwecke ihn nicht bloß zum Leben, sondern gebe ihm ein ganz bestimmtes Leben.

9[2]

Hat der Satz nicht Sinn weil ich Bewußtsein habe & ihn meine? (Und eine sinnlose Wortzusammenstellung kann ich natürlich nicht meinen.) Und dieses Meinen ist natürlich etwas Seelisches. Und es ist etwas Privates. Es ist der ungreifbare Gegenstand.

10[1] &
11[1] &
12[2]

Was geschieht, wenn ich einen Satz meine. Ich sage z.B. “Ich fühle mich nicht sehr wohl” & meine es. Dieses Meinen sollte eigentlich die Verbindung herstellen zwischen den bloßen Worten & der Tatsache. Aber so kann es doch nicht sein; denn könnte ich den Satz nicht meinen auch wenn er eine Lüge wäre? Ich werde z.B. wenn ich ihn meine ein dem Sinn entsprechendes Gesicht machen. Aber wir können ja annehmen, er sei wahr, & dann erscheint das Meinen wie ein Pfeil oder wie Pfeile, die vom Satz auf etwas weisen. Was ist das für ein seltsames Phänomen (beinahe wie ein Fieber)? Nun, es ist nicht unverständlich: Das Zeigen spielt ja bei der Erklärung jedes Ausdrucks eine große Rolle. Wir sagen, wir meinen einen Satz im Gegensatz zu dem Fall, wenn wir ihn z.B. als bloße Sprachübung hersagen. Ich sage also z.B. “Ich fühle mich nicht wohl” als Übersetzung

12[2] &
13[1] &
14[2]

eines französischen Satzes ins Deutsche; & ein andermal als wahre oder erlogene Mitteilung über mein Befinden. Was geht nun in den beiden letzten Fällen vor was sie vom ersten unterscheidet? – Die Umgebung des Satzes ist verschieden. Aber das allein ist es nicht. Ich könnte nämlich in mitten einer Sprachübung sagen ich fühle mich noch nicht wohl & zwar unter solchen Umständen, daß der Andre nicht weiß, ob ich übersetze oder ihm eine Mitteilung machen will. Während ich definitiv eine Mitteilung intendiere. Nun, geht, wenn der Satz als Mitteilung gemeint ist immer dasselbe vor? Und wie begleitet es den Satz? Hüllt es ihn ein, wie eine Wolke, oder mein ich jedes Wort besonders. Ich bin zur ersteren Ansicht geneigt & daß da ein bestimmtes Gefühl ist das den Satz gleichsam gehaltvoll macht. Mach den Versuch mit dem Satz “Es ist fünf Uhr”. Es ist gewiß ein Unterschied nicht nur der Umgebung in welcher der Satz ausgesprochen wird, sondern auch in verschiedenen Begleitumständen. Aber es ist nicht ein seelischer Vorgang den wir “den Satz so meinen” nennen vergleichbar etwa dem des Schmerzes. So wird das Wort “meinen” nicht gebraucht.

15[1] &
16[2] &
17[1] &
18[1]

Ich erwarte jeden Augenblick eine Explosion. Ich bin nicht im Stande irgend einer andern Sache meine Aufmerksamkeit zuzuwenden; schaue in meine Zeitung aber ohne zu lesen. Fragt mich Einer, warum ich so gespannt & nervös scheine so sage ich, ich erwarte jeden Augenblick die Explosion. Wie war es nun: beschrieb dieser Satz eben jenes Verhalten? Aber wie unterscheidet sich dann die Erwartung der Explosion von der eines ganz andern Ereignisses. Z.B. von der Erwartung eines bestimmten Signals (3 Trompetenstöße)? Oder war die Handlungsweise nicht das Erwarten sondern nur die Nebenerscheinungen der Erwartung; während diese selbst ein geistiger Vorgang war? Aber wie weiß dann der in welchem er vorgeht die Erwartung welches Ereignisses er ist? Er scheint nämlich nicht darüber im Ungewissen. Es ist nicht als konstatierte er einen Seelenzustand & spräche eine Vermutung über die Ursache seines Zustands aus. Er mag wohl sagen: “Ich weiß nicht ist es nur diese Erwartung die mich heute so nervös macht”, aber er wird nicht sagen “Ich weiß nicht, ist dieser Seelenzustand eine Erwartung einer Explosion oder von etwas anderm”. Die Aussage “Ich erwarte jeden Moment einen Knall” ist eine Äußerung der Erwartung. Diese Wortreaktion ist der Ausschlag des Zeigers der die Art der Erwartung anzeigt.

18[2]

Und ähnlich ist es mit der Äußerung des Wunsches. Zu sagen “ich habe Lust auf einen Apfel” heißt nicht: “Ich glaube ein Apfel wird mein Gefühl der Unbefriedigung stillen.” Auch diesen Satz können wir benützen aber er ist keine Äußerung des Wunsches sondern einer Unbefriedigung.

18[3] &
19[1] &
20[1]

Wir sind durch eine bestimmte Abrichtung, Erziehung, so konditioniert, daß wir unter bestimmten Umständen Wunschäußerungen von uns geben. (Ein solcher ‘Umstand’ ist natürlich nicht der Wunsch.) Eine Frage ob ich weiß was ich wünsche ehe mein Wunsch erfüllt ist kann in diesem Spiele gar nicht auftreten. Und daß ein Ereignis meinen Wunsch zum Schweigen bringt bedeutet in diesem Sinne nicht daß es den Wunsch erfüllt hat. Ich kann z.B. sagen: Ich bin jetzt befriedigt, aber wäre mein Wunsch befriedigt worden, so wäre ich nicht befriedigt. Anderseits wird auch das Wort “Wünschen” so gebraucht: Man sagt “Ich weiß selbst nicht, was ich mir wünsche”. Hermann & Dorothea: “Denn die Wünsche verhüllen uns selbst das Gewünschte”.)

20[2] &
21[1]

Wie ein Wort funktioniert kann man nicht erraten. Man muß es beobachten & daraus lernen. Die große Schwierigkeit aber ist, das Vorurteil zu beseitigen, das diesem Lernen entgegensteht. (Und dies ist kein dummes Vorurteil.)

21[2] &
22[1]

Dadurch, daß ich den Satz meine, erhält er Leben. Aber ich muß ihm ja ein ganz bestimmtes Leben geben, – nicht nur Leben. Einen Sinn & nicht einen anderen. Wenn ich ihn meine, so muß ich ihn so meinen. Die Worte müssen auf ihre Bedeutungen blicken. Aber den lebendigen Blick des Wortes auf seine Bedeutung beruht auf (den) steten Bewegungen im Felde der Anwendung.

22[2] &
23[1] &
24[1]

Wie denke ich an Jemanden? Wie ziele ich auf ihn mit einem Gewehr? Ist hier eine Ähnlichkeit? Was ist die Beziehung dieses Denkens, dieser Worte zu ihm? Ich gebrauche seinen Namen. Aber dies kann der Name andrer Menschen sein & doch denke ich nur an einen. Gefragt welchen meinst Du, gebe ich eine Antwort. Die Antwort bestimmt dem Namen eine Anwendung. Sie wird auch vielleicht die Gedanken begreiflich machen & Handlungen zu denen sie führen. Das Bild drängt sich uns auf, daß der Name auf diesen Menschen (der in Raum & Zeit von mir getrennt ist) zeigt. Und vielleicht wird man sagen das geschieht indem der Name das Bild des Menschen vor meine Seele führt. Aber ist dies Bild wirklich so gut getroffen? Erkenne ich das Vorstellungsbild als sein Bildnis? Und was soll das heißen?? Worin besteht es daß ich an ihn denke? Frage Dich: “Worin besteht es daß ich an ihn schreibe?” (Und ich könnte natürlich an ihn schreiben ohne daß der Brief je abgeschickt würde.)

24[2] &
25[1]

Ich erwarte zwei Leute A & B. Ich sage: “Wenn er doch nur käme!” Jemand fragt mich. “Wen meinst Du?” Ich sage, “Ich habe an den A gedacht”. Und diese Worte selber haben eine Brücke hergestellt. Oder er fragt “Wen meinst Du” & ich antworte: “Ich habe an … gedacht”, ein Gedicht in dem dieser Satz vorkommt. Die Anknüpfungen dessen was ich sage mache ich im Laufe meiner Gedanken & Handlungen. (Diese Betrachtung hängt mit dem zusammen was W. James “the stream of thought” nennt. Der Fehler in seiner Darstellung ist daß a priori & a posteriori Grammatisches & Erfahrungsgemäßes durcheinander gemischt sind. So redet er von der Kontinuität des Gedankenstroms & vergleicht sie mit der des Raums, nicht mit der eines Wasserstrahles etwa.)

25[2] &
26[1]

– – – Und wie weiß ich also, wenn ich die Mitteilung meine, daß ich sie meine? Gefragt wie ich den Satz meinte werde ich’s sagen. Und natürlich nicht auf die Beobachtung eines bestimmten Gefühls hin.

26[2] &
27[1]

Denke das Gefühl wäre das, daß ich mich bei der Mitteilung an den Andern richte, was ich bei der Sprachübung nicht tue. Und nehmen wir nun an ich hätte ein solches Gefühl; wie es natürlich existiert, denn wenn ich mich an ihn richte handle ich ja anders: drehe mich zu ihm, schaue ihn an, spreche in anderm Tonfall etc. Aber kann mich dieses Gefühl nicht auch täuschen, wenn meine Äußerungen ihn täuschen können? Erkenne ich wirklich, daß ich mich an ihn richten wollte? Ist es nicht daß ich in einer gewissen Richtung weitergehe, wenn ich nun sage, ich habe mich an ihn richten wollen?

27[2] &
28[1]

Ich kann mich z.B. einer kleinen Kopfbewegung erinnern; aber dies an sich beweist natürlich nicht daß ich mich an den Andern habe wenden wollen. Aber ich deute diese Kopfbewegung jetzt so auf; für mich ist sie ein Ausdruck dieser Tendenz. Wir sagen z.B. “Ich erinnere mich genau, daß ich im Begriff war zu ihm zu reden, ich erinnere mich meinen Kopf zu ihm hin gedreht zu haben.” Aber dies wäre ja nicht beweisend. Ich sehe es aber jetzt als den Anfang einer bestimmten Handlung.

28[2]

‘Aber wie weiß ich, daß meinen nicht eine Empfindung ist, die den Satz begleitet?’

28[3] &
29[1]

Ich will sagen: Durch meine Antwort setze ich die angefangene Bewegung fort & mache sie also zum Anfang einer Bewegung von bestimmtem Charakter.

30[1]

Plan

Wie kann die Regel bestimmen was ich zu tun habe?

30[2]

Einer Regel folgen setzt Übereinstimmung voraus.

30[3]

Es ist dem Phänomen der Sprache wesentlich daß wir über gewisse Dinge nicht streiten.

30[4]

Wie kann Übereinstimmung Bedingung der Sprache sein? Wo wir uns Übereinstimmung denken können können wir uns doch Nicht-Übereinstimmung denken.

31[1]

Denke also es bräche Nichtübereinstimmung über die Farben der meisten Dinge aus.

31[2]

Wie wüßten wir dann was wir mit den Farbwörtern meinten?

31[3]

Aber weiß es nicht jeder für sich? Nein.

31[4] &
32[1]

Ebenso im Fall des Handelns nach der Regel. Fehlte die Übereinstimmung d.h.

könnten wir unsere Ausdrücke nicht zur Übereinstimmung bringen, so hörte damit das Phänomen der Verständigung & der Sprache auf.

32[2]

Worin besteht die Unerbittlichkeit der Mathematik.

32[3]

Weg von dem was nicht unerbittlich ist zur Unerbittlichkeit. OBEN hat 4 Laute.

32[4]

Ist ein math. Beweis ein Experiment.

33[1]

Was ich an einer Regel verstehe ist wie ein Zeichen. Wie kann denn ein Zeichen uns zeigen was ich zu tun habe? Was immer, als Deutung, ich dem Zeichen hinzusetzte verschmilzt mit dem Zeichen. Also hilft eine Deutung prinzipiell nicht. Die Deutungen & Erklärungen dienen am Schluß nur der Praxis.

34[1]

Warum? Warum? – Ich tue es!

34[2]

Siehst Du die Regelmäßigkeit in diesen Reihen? Siehst Du die, die ich so ausdrücke? Dann fahre so fort! (Das könnte ein Tapetenmaler seinem Gehilfen sagen.)

34[3]

Der Gehilfe zeigt einem Andern wie er hier der Regel folgt, warum er es gerade so macht.

34[4] &
35[1]

Könnte kein Streit zwischen ihm & dem Meister ausbrechen? Freilich. So ein Streit kann verschieden ausschauen. Sie können sich nicht verständigen. Ich könnte, was sie sagen Wort für Wort beschreiben.

35[2]

Spricht die Drossel eine Sprache? Soll ich sagen: “Vielleicht”?

35[3] &
36[1]

Die ungeheure Schwierigkeit ist hier zu sehen, wo sich der Ring geschlossen hat. Wo ich aufhören muß Erklärungen zu geben.

36[2]

Ich kann die Sprache nicht anders beschreiben als das Nähen, Kochen, Exerzieren. Ich kann auch ‘einer Regel folgen’ nicht anders beschreiben.

36[3] &
37[1]

“Wie führt mich eine Regel?” – Was soll ich da beschreiben? Eines ist: ich könnte ein Beispiel geben. Es wäre auch denkbar daß ich genau beschriebe wie ein Kind zuerst Regeln folgen lernt, genau beschriebe, was Lehrer & Schüler dabei sagen & tun. ⋎ Genau beschreiben, was ich beim Handeln nach einer bestimmten Regel überlege, sage, tue. Nun, so eine Beschreibung könnte ja ihren Zweck haben.

37[2] &
38[1] &
39[1]

Das eine Beispiel könnte mich daran erinnern wie ich in einem bestimmten Falle verfahre; das andere könnte jemand lehren wie beim Lehren & Lernen vorgegangen wird & verschiedenes was daraus folgt. Einem der das deutsche Wort “Regel” nicht verstünde könnte das erste Beispiel es erklären, wenn er die übrigen Worte des Beispiels versteht. Aber das alles war nicht der Zweck der Frage. Näher diesem Zweck wäre es zu sagen daß ich für meine Handlungen, wenn ich der Regel folge Gründe angeben kann aber daß die Gründe endlich auslassen & es dann auf die Frage “wie weißt Du daß Du so handeln sollst”, oder “warum handelst Du so” nur die Antwort gibt: ich handle so ohne Grund.

39[2] &
40[1]

Wenn ich aber was ich tue nicht rechtfertigen kann; wie wenn jeder von uns etwas anderes täte & sagte er folge der Regel?

40[2]

Wie folge ich einer Regel? Wie führt mich eine Regel? Wie weiß ich was ich auf jeder Stufe zu tun habe?

Ich folge der Regel nicht anders, als der Anweisung “Schlage zwei Eier in eine Pfanne”. Und gehörte dieser Satz keiner Sprache an, oder einer, die ich nicht verstehe, so folgte ich diesen Worten nicht, was immer ich täte.

41[1]

Ein Mensch kann sich nicht nur einmal etwas vornehmen, denn hier könnte man sagen: Wie weiß er was er sich vorgenommen hat?

42[1]

… mehr könnten wir nicht sagen. Aber “haben” & “etwas” sind wieder Wörter der allgemeinen Sprache. – So gelangt der Philosoph manchmal dahin am Ende nur einen unartikulierten Laut ausstoßen zu wollen. Und das muß er auch noch bleiben lassen.

42[2] &
43[1]

Und welchen Grund haben wir hier E die Bezeichnung für eine Empfindung zu nennen? Vielleicht die Art & Weise wie es in diesem Sprachspiel gebraucht wird. – Und warum ‘eine bestimmte Empfindung’ also immer die Gleiche? Nur den, daß ich jedesmal das gleiche Zeichen verwende.

43[2]

Es hilft uns natürlich nichts … zu sagen “es bezieht sich auf …” statt “es bezeichnet”. Aber es ist der psychologisch richtigere Ausdruck für ein bestimmtes Erlebnis beim Philosophieren.

43[3] &
44[1]

Es hilft uns natürlich nichts zum Begreifen der Funktion des Wortes “rot”, zu sagen, ‘es beziehe sich auf’, statt ‘es bezeichne’, das Private. Aber es ist der psychologisch treffendere Ausdruck für ein bestimmtes Erlebnis beim Philosophieren. Es ist als würfen wir beim Aussprechen des Wortes einen Seitenblick auf die eigene Empfindung, gleichsam um mir zu sagen, ich wisse schon was ich damit meine.

45[1]

“Es glaubt der Mensch, wenn er nur Wörter hört …” Das heißt, man kann sich an das Naturspiel nicht gewöhnen, daß ein Satz keine Verwendung haben soll. Und das heißt daß hier etwas in uns ingrained ist.

45[2] &
46[1]

Und so scheint auch ein Leichnam dem Schmerz gänzlich inkommensurabel.

46[2]

Man will sagen: “Es ist da ein Etwas”. Aber warum willst Du so bescheiden sein & nicht gleich sagen es sei ein Schmerz. Es ist nicht leichter dies Etwas als Etwas zu erkennen als als Schmerz.

Das ist wirklich falsche Bescheidenheit. Warum nicht gleich sagen es sei ein Schmerz? Er ist nicht schwerer wiederzuerkennen als das Etwas.

47[1]

Kopfrechnen

47[2]

– – – daß die Andern es hören, sich danach richten etc. sei nicht mehr die wahre Mitteilung. – Aber dann hätte er eigentlich sagen müssen: “Eigentlich redet Jeder nur für mich, denn ich allein kann verstehen.”

48[1]

Kluft zwischen körperlichen & geistigen

49[1]

Hülfe es statt “Ich habe diese Rechnung im Kopf gemacht” zu sagen “Ich glaube ich habe diese Rechnung im Kopf gemacht”? Unsinn! Und doch, was kann man dagegen sagen?! Wenn Einer vorsichtig sein wollte, so könnte er es sagen. Aber inwiefern wäre er vorsichtig? Nun, er würde betonen, daß er nur in der Vorstellung gerechnet habe.

49[2] &
50[1]

Man macht hier leicht einen Fehler: Erst wählt man Gegenstände nach einer gewissen Eigenschaft aus; dann findet man’s merkwürdig, daß alle die ausgewählten Gegenstände diese Eigenschaft haben.

50[2]

Man sagt nur dann Einer rechne im Kopf wenn er herausbringt was beim schriftlichen Rechnen herauskommt.

50[3]

Nein, es nützt nichts, zu sagen: “Es kommt ihm vor …”, das kann hier nur dasselbe heißen wie er rechne in der Vorstellung. Es ist als sagte man immer statt ich träumte “es kommt mir vor, ich sah …”

51[1] &
52[1]

Wenn ich Dich die Reihe … lehre, meine ich doch Du sollest an der … Stelle … schreiben. Ganz richtig, Du meinst es. Und offenbar ohne notwendiger Weise auch nur daran zu denken. Das zeigt Dir wie verschieden die Grammatik des Wortes “meinen” von der des Wortes “denken” ist. Und nichts Verfehlteres könnte es geben als “meinen” eine geistige Tätigkeit zu nennen. Ich meine wenn man nicht darauf ausgeht Konfusion zu erzeugen. (Man könnte natürlich auch das teurer werden des Käses eine Tätigkeit des Käses nennen & diese Dummheit wäre harmlos solange durch sie keine Probleme erzeugt würden.)

52[2] &
53[1]

Wenn es einmal klar geworden ist daß die verschiedenen Verben, auch die psychologischen wie “meinen”, “denken”, “fürchten”, “erschrecken”, “erwarten” etc. kategorisch verschiedene Verwendungen haben (Werkzeugkasten) so wird uns die Untersuchung eines besondern Falles nicht mehr furchtbare Schwierigkeit bereiten.

53[2]

– – – Ich schaue Einen an & sage mir “Das muß schwer sein zu lachen, wenn man solche Schmerzen hat”, oder ich nicke mit dem Kopf vor mich hin als wollte ich sagen: “Ich weiß schon, wie’s Euch zu mute ist” & dergl. mehr. D.h.: ich spiele eine Rolle, ‘tue’, als hätten die Andern Schmerzen.

54[1]

Und will man jemanden unterweisen wie er eine Rolle auf dem Theater zu spielen hat, so sagt man ihm: “Du mußt Dir vorstellen, daß er …”.

54[2]

Diese Anmerkung ist lehrreich, denn sie beschreibt ein bestimmtes Sprachspiel mit dem Worte “vorstellen”.

54[3]

– – – Was geht also da vor – – –

54[4] &
55[1]

Unter was für Umständen würden wir fragen: Was ist in Dir vorgegangen als Du Dir dies vorgestellt hast. Was für eine Antwort erwartet man sich da?

55[2]

Der erste Irrtum auf den wir in der philosophischen Untersuchung stoßen ist hier, wie immer, die Frage selbst.

55[3]

Hier ist, wie immer, der erste Irrtum auf den wir bei einer philosophischen Untersuchung stoßen, die Frage selbst.

55[4]

… Der erste Fehler, den wir in einer philosophischen Untersuchung machen, ist hier, wie immer, die Frage selbst.

56[1]

… Hier ist, wie immer, der erste Fehler, den wir in einer philosophischen Untersuchung machen, die Frage selbst.

56[2] &
57[1] &
58[1]

Aber hat nicht Spinoza gesagt, wenn ein Stein Bewußtsein hätte würde er glauben er fiele zur Erde weil er fallen will? Das ist die Art Fiktion in der Philosophie die zu gar nichts führt. Erstens: wie wäre das, wenn der Stein Bewußtsein hätte? Zweitens: welchen Grund haben wir zu der Hypothese er würde dieser Meinung sein. Drittens: Wenn wir die doch Bewußtsein haben von einer Höhe herunterstürzen, sind wir der Meinung wir fallen, weil wir fallen wollen?

58[2]

Man begegnet in der Philosophie öfters solchen unverbindlichen Fabeln. (J.B.S. Haldane der schrieb einmal er könne wenn er selbst zu viel Kalzium enthält sich vorstellen wie es einem Kalkgebirge zu Mute ist.) (!)

58[3] &
59[1]

Aber sagen wir nicht, der Mensch & das Tier habe Bewußtsein, Pflanzen & Steine hätten es nicht? Wie wäre es, wenn’s anders wäre? Wären alle Menschen & Tiere bewußtlos? Nun, nicht im gewöhnlichen Sinne.

59[2]

Könnte man sich vorstellen, daß ein Stein Bewußtsein hätte? Und wenn nun Einer sagt, er kann’s, warum soll das nicht bloß beweisen daß diese Vorstellerei für uns keinen Wert hat?

59[3] &
60[1] &
61[1]

Ist denken nicht eine Art sprechen? Man möchte sagen, es ist das, was das denkende Sprechen vom gedankenlosen unterscheidet. – Und also scheint es hier eine Begleitung des Redens zu sein. Ein Vorgang, der vielleicht auch etwas andres begleiten, oder selbständig ablaufen kann. Sag also den Satz: “Die Feder ist wohl stumpf. Nun, nun sie geht” erst denkend, dann gedankenlos; endlich denk’ nur den Gedanken aber ohne die Worte. Wie hast Du’s gemacht? Nun, ich konnte etwa die Spitze meiner Feder wortlos prüfen, ein Gesicht schneiden wie Einer der sagt sie sei nicht besonders gut & dann mit einer Gebärde der Resignation weiterschreiben.

61[2] &
62[1]

Denken ist kein unkörperlicher Vorgang, der dem Reden Leben & Sinn leiht & den man vom Reden ablösen könnte wie der Teufel den Schatten Schlemihls aufrollt. Denken ist ein Operieren mit Zeichen & andern Gegenständen unter bestimmten Umständen.

62[2]

Aber eine Maschine kann doch nicht denken! – Ist dies ein Erfahrungssatz? Nein. Wir sagen nur von Menschen & von Menschenähnlichem es denke. Wir sagen es auch von Puppen & wohl auch von Geistern. Sieh’ das Wort “Denken” als Instrument an!

62[3] &
63[1]

Denkt der welcher erwartet? So wird das Wort “erwarten” nicht gebraucht. “Erwarten” bezeichnet keine Tätigkeit. Sage ich: “Ich kann heute meine Aufmerksamkeit nicht auf meine Arbeit lenken; ich denke die ganze Zeit an sein Kommen” so wird man das eine Beschreibung meines Seelenzustands nennen. Ich kann jemand erwarten ohne an ihn zu denken, aber in meinem Sessel sitzend & schlafend. Aber es gibt allerlei Tätigkeiten & Gedanken die für eine (bestimmte) Erwartung charakteristisch sind. Ebenso wie Gefühle: die Unruhe der Erwartung die Qual der Erwartung.

63[2] &
64[1]

Bezeichnet “hoffen” ein Denken? Nein. Die Hoffnung wie die Erwartung hat ihren charakteristischen Ausdruck in Worten in Handlungen. Ich kann es z.B. zu mir selbst sagen. Und mir mache ich doch keine Mitteilung. Es kann ein Seufzer sein; aber muß kein Seufzer sein. Es kann eine Mitteilung sein. Ich pfeife ein Lied & jemand fragt mich warum ich so guter Dinge bin. Ich antworte: Ich hoffe N.N. wird heute kommen. – Aber während ich pfiff dachte ich nicht an ihn. Und doch sag ich: “Ich hoffte den ganzen Tag er werde kommen”.

64[2]

Wenn Einer sagt “Ich hoffe er wird kommen”– ist das ein Bericht über seinen Seelenzustand oder ein Ausdruck der Hoffnung?

64[3]

Ähnlich ist es mit “ich glaube”.

65[1] &
66[1]

Glauben heißt nicht denken: “Ich sage: Ich glaubte niemand werde mich stören”. Ich dachte gar nicht daran daß ich gestört werden könnte. Daß ich es glaubte lag in der Situation & dem was zu geschehen pflegt. Dagegen aber reden wir von einem leidenschaftlichen Glauben. Nun es gibt nur eines: sich fragen wie das Wort wirklich gebraucht wird. Ist glauben ein bestimmtes Gefühl? So wenig wie eine bestimmte Miene & Gebärde.

66[2]

Ist “ich wünsche. –” ein Bericht oder ein Ausdruck?

66[3]

Meinen.

66[4]

Heucheln. Schmerzen heucheln. “Das heißt doch sagen man habe eine Empfindung, wenn man keine hat.”

66[5] &
67[1]

Wir können einen Hund auch nicht Schmerz heucheln lehren. Wir können ihm vielleicht beibringen daß er bei gewissen Gelegenheiten ohne Schmerz zu fühlen schreit wie im Schmerz. Aber zum rechten Heucheln fehlte diesem Benehmen noch immer die richtige Umgebung.

67[2]

Eine Schwierigkeit wenn man philosophieren will ist die, offen mit sich selbst zu reden. Sich daran zu gewöhnen, zu sagen, was man gerne sagen möchte, sei es auch noch so dumm. Zum Gescheiten kannst Du nur durch die Tiefen der Dummheit kommen.

68[1]

Wie weiß er was er zu tun hat? – Er tut etwas. – So ist das schon der Regel Folgen? Nein! – Er tut es ohne zu zweifeln – – – ist das der Regel folgen? Nein.

68[2]

Er könnte die Regel anders verstehen als wir, aber er müßte im Stande sein sie so wie wir aufzufassen. Wir müssen uns mit ihm verständigen können.

68[3] &
69[1]

Ist es richtig zu sagen: Einer folgt einer Regel nur dann, wenn er bestimmte Dinge tun kann. (Und diese Klausel bezieht sich natürlich auf eine Zeitdauer.)

69[2]

Die Umstände unter welchen wir sagen jemand folge einer Regel, sind schwer zu beschreiben.

69[3]

Wenn eine ‘Sprachverwirrung’ einträte hörte das Handeln nach einer Regel auf.

70[1]

Damit er der Regel folgt muß die Regel irgend etwas von ihm verlangen.

70[2] &
71[1]

Ich sage: “Die Regel verlangt das”. Unter welchen Umständen werden wir das bloße Einbildung nennen? Wenn wir nicht verstehen, warum er es sagt. Wenn er es uns nicht erklären kann. Aber die Erklärung kann von verschiedener Art sein. – Sie wird zu einer Übereinstimmung führen müssen.

71[2]

Aber könnten wir uns nicht Übereinstimmung denken, wo sie uns absurd erschiene & wir nicht sagen würden, die Leute folgen einer Regel.

71[3]

Wenn ich beschreiben will was einer Regel folgen ist, muß ich da nicht genau das beschreiben was wir so nennen. Muß z.B. was wir eine einfache Regel nennen nicht auch der Andere so nennen?

72[1]

Ich sage nur dann von jemand er folgt einer Regel wenn ich diese Regel verstehe, d.h. ihr folgen kann. Es sei denn daß ich es auf Autorität hinnehme.

72[2]

Und ob ich die Regel verstehe wie er sehe ich daran ob wir bei der Anwendung übereinstimmen.

72[3] &
73[1]

Was nenne ich denn “übereinstimmen” was wurde mir denn gelehrt, so zu nennen?

73[2]

Ich lehre ihn zählen. Dann setzt er einmal so fort & ich anders. Wer hat recht? Wer entscheidet, wer recht hat?

73[3]

Wenn es nur zwei Menschen gäbe & der eine lehrt den andern Zählen; ließe es sich entscheiden.

73[4] &
74[1]

Es kann doch

gewiß ein Mensch einen andern Algebra lehren & sie können auf einer Insel allein leben.

74[2]

Wann machen A & B ‘das gleiche’? Wie kann ich das beantworten? Durch Beispiele.

74[3]

Versteht denn der Eine die Regel besser als der Andere?

74[4] &
75[1]

Es kommt Dir wieder viel zu selbstverständlich vor daß wir Handlungen mit Worten begleiten?

75[2]

Versteht der Lehrer besser als der Schüler, was die nächste Stufe sein soll?

75[3]

Was ist denn da zu verstehen?

75[4] &
76[1]

Daß die Regel diesen Schritt verlangt kann eine psychologische Tatsache sein. Daß wir nämlich ohne Bedenken & Zweifel so vorgehen. Es kann aber auch darin liegen, daß wir uns mit einander verständigen können & alle gleich so vorgehen.

76[2] &
77[1]

“Ein Mann ist plötzlich (durch Erleuchtung) zum Verständnis einer Regel gekommen. Jetzt weiß er immer weiter.” Müßte man darauf nicht antworten: Eine Erleuchtung ist nicht genug; er muß bei jenem Schritt von neuem erleuchtet werden?

77[2]

Dieser hat nun einen andern der Regel folgen gelehrt. Aber der andere braucht doch nun auch Erleuchtungen.

77[3]

Wenn sie nun aber verschiedene Erleuchtungen haben so daß ihre Handlungen nicht übereinstimmen? Nun offenbar ist das nicht “einer Regel folgen”.

78[1]

Von wem sagen wir, er nimmt sich etwas vor?

78[2]

Was für eine Technik muß er beherrschen, daß wir das von ihm sagen können.

78[3]

Würden wir von einem sagen er folge einer Regel der nur dieser Regel folgen kann?

78[4] &
79[1]

Die Regel ist nicht die Extension. Einer Regel folgen heißt eine Extension bilden nach einem ‘allgemeinen’ Ausdruck.

79[2]

Wenn ich nun eine Extension bilde, was heißt es ich bilde sie nach jenem allgemeinen Ausdruck?

79[3]

Das ist wie wenn man fragt: wie gehorcht man einem – oder diesem – Befehl? Wie ist, was ich tue, mit diesen Worten verknüpft? (Ich meine aber nicht kausal verbunden). Nun doch nur durch eine allgemeine Praxis.

80[1]

Wann sagen wir: Dies ist der Befehl & diese Handlung ist die Befolgung des Befehls? Oder: “Jetzt handelt er nach diesem Befehl”? Diese Feststellungen haben doch nur innerhalb einer gewissen Praxis Sinn. Nicht aber, als könnte ich nur dann den Befehl als Befehl erkennen. Sondern was wir mit “Befehl” meinen ist …

81[1]

Kann ich sagen: “Nur in einer bestimmten Lebensweise kann ich sagen, daß das damit gemeint sei”?

81[2]

Es ist mit dem Begriff des Befehls wohl vereinbar daß Befehle nicht befolgt werden, aber nicht daß nie oder fast nie ein Befehl befolgt wurde.

81[3] &
82[1]

Einem Befehl nicht gehorchen hat wieder mehr oder weniger charakteristische Begleiterscheinungen.

82[2]

Nicht die Deutung schlägt die Brücke zwischen dem Zeichen & dem Bezeichneten . Nur die Praxis tut das.

82[3]

Soll ich nun sagen daß die Bedeutung des Wortes “rot” auf der Übereinstimmung der Menschen beruht? Daß nämlich die Praxis auf der Übereinstimmung beruht?

82[4] &
83[1]

Wenn Du den nächsten Schritt nach dieser Regel machst, mußt Du dorthin kommen. Das heißt natürlich, daß Jeder der den Schritt nach dieser Regel macht dahin kommen muß. Das heißt, es wird sozusagen das persönliche Element ausgeschaltet. Wir folgen der Regel wie der Eisenbahnzug der Schiene; wenn er nicht entgleist.

83[2] &
84[1]

Man richtet ein Kind ab, daß es einer Regel folgt: aber sagt man ihm auch: “wenn Du der Regel folgst, so mußt Du dahin kommen”?

84[2]

“Wenn Du etwas andres schreibst so hast Du die Regel nicht verstanden oder mißverstanden.” Ist das ein Erfahrungssatz?

84[3]

Du lehrst einen Mensch eine Regel, Du richtest ihn ab auf einen bestimmten Befehl so & so zu handeln. – – –

84[4] &
85[1]

Das “Muß” sagt, was anerkannt wird.

85[2]

Wie kann die Regel bestimmen, was ich auf der 1000sten Stufe zu tun habe? Die Antwort darauf sind Gründe. –

85[3]

Ich fühle aber doch, wenn ich die Regel verstanden, habe, daß sie mir unzweideutig sagt, was ich zu tun habe.

85[4] &
86[1]

Dieses Muster, so aufgefaßt ist nur so fortzusetzen. Ja, das heißt schon etwas.

86[2]

Man könnte manchmal sagen: dieses Muster, so gesehen, muß diese Fortsetzung haben.

86[3]

Ich will aber eine ‘Auffassung’ statuieren, (etwa wie die alte ‘Proposition’) die eine Reihe so bestimmt, wie eine unfehlbare Maschine, durch die ein Band läuft.

86[4] &
87[1]

So also daß nur diese Fortsetzung zu dieser Auffassung paßt. In Wirklichkeit aber sind es nicht zwei Dinge die hier zusammenpassen. Man könnte aber sagen: Du bist durch Deine Erziehung so konditioniert, daß Du immer ohne Bedenken etwas bestimmtes als das passende erklärst. Etwas, was mit dem übereinstimmt was Andere für das passende erklären.

88[1]

Aber wie kann eine Regel einen Menschen lehren, was er auf einer bestimmten Stufe zu tun hat.

88[2] &
89[1]

Aber wie kann mich eine Regel lehren, was ich auf der & der Stufe zu tun habe? Was immer ich tue ist ja, auf irgend eine Weise, mit ihr verträglich. – Aber das hieße doch es gäbe gar kein ‘einer Regel folgen’.

Was immer ich tue ist ja durch irgend eine Deutung mit ihr zu vereinbaren. Nein. Was immer ich tue & wie immer ich die Regel gedeutet habe. Nein. So sollte ich nicht reden. Sondern so: Jede Deutung hängt mit dem Gedeuteten, in der Luft, & kann dieses also nicht festhalten..

89[2] &
90[1]

Wie kann ich einer Regel folgen? Wie kann sie mir zeigen, wie sie mich zu führen hat? Wenn ich sie so, oder so auffasse – wie kann ich die Auffassung festhalten, wie kann ich sicher sein, daß sie sich nicht unversehens verändert.

90[2]

Wie kann ich einer Regel folgen? Das könnte eine Frage nach der Ursache sein, daß ich der Regel so folge (Abrichtung). Oder nach den Gründen, die ich dafür angeben kann so nach der Regel zu handeln.

90[3] &
91[1]

Habe ich die Begründung erschöpft, so bin ich nun auf felsigem Grund angelangt & mein Spaten biegt sich um. Ich bin dann geneigt, zu sagen: “So handle ich eben!”

91[2] &
92[1]

Aber wie, wenn nun die Handlungen verschiedener Menschen nach der Regel nicht übereinstimmen? Wer ist im Recht, wer im Unrecht? Es lassen sich verschiedene Fälle vorstellen. Der, z.B., daß Einer zum Andern am Ende sagt: “Ach so hast Du die Regel aufgefaßt” & daß sie sich nun verständigen. Wie aber, wenn sie sich nicht vereinigen können? Nun da könnte es vorkommen daß der Eine gleichsam wie ein Farbenblinder behandelt wird; oder wie ein Schwachsinniger. Wir würden vielleicht von ihm sagen, das mehrfache Vorkommen des gleichen Zahlzeichens in derselben Formel verwirre ihn.

92[2] &
93[1] &
94[1]

Wenn aber der Mangel der Übereinstimmung nicht Ausnahme wäre, sondern Regel? – Wie hätten wir uns das zu denken? Nun, eine Regel kann mich nur in dem Sinn zu einer Handlung führen, wie etwa irgend eine Anleitung in Worten, etwa ein Befehl. Und wenn Menschen in ihrem Handeln nach Regeln nicht übereinstimmten & sich nicht verständigen könnten, so wäre das so wie wenn sie sich über den Sinn von Befehlen oder Beschreibungen nicht miteinander vereinigen könnten. Es wäre eine ‘Sprachverwirrung’ & wir würden sagen, daß jeder seine Handlungen allerdings mit dem Ausstoßen von Lauten begleitete, das aber noch keine Sprache ergibt.

94[2] &
95[1] &
96[1]

Mit anderen Worten: es werden keine Sprachspiele mehr gespielt. Und das bringt mich auf die Frage: Wie muß denn die Verknüpfung zwischen Handlungen & Zeichen sein damit ich es ein Sprachspiel nenne? Habe ich mir’s etwa in № 2 zu leicht gemacht indem ich solche Umstände annahm (das Errichten eines Baues, seine Bestandteile etc.) die denen unseres Lebens (so) ähnlich sind? – Nein. Die Sprache ist eine Erscheinung im menschlichen Leben, & was diesem ähnlich ist. Und wenn im Märchen Töpfe & Pfannen mit einander reden, so gibt das Märchen ihnen auch noch andre menschliche Attribute. So wie ein Topf auch nicht lächeln kann, wenn er kein Gesicht hat.

96[2]

Wenn wir uns Wesen denken, die, wie wir sagen würden, lauter gänzlich ungereimte Handlungen vollzögen, & diese Handlungen mit Lauten begleiteten, etwa mit Sätzen der deutschen Sprache, so hätten diese Wesen keine Sprache.

96[3] &
97[1] &
98[1]

Man könnte das auch so ausdrücken: Wenn ein Forscher in ein Land kommt in welchem eine ihm gänzlich unbekannte Sprache gesprochen wird, so kann er sie nur durch den Zusammenhang mit dem übrigen Leben der Bewohner verstehen lernen. Was wir z.B. “Unterrichten” nennen oder “Befehlen”, “Fragen” “Antworten” “Beschreiben” u.s.w. ist alles mit ganz bestimmten menschlichen Handlungen verbunden; & ein Befehl ist als Befehl nur kenntlich durch die Umstände die ihn begleiten ihm vorhergehen oder folgen.

98[2]

“Aber machst Du hier nicht einen Fehler?! Diese äußeren Anzeichen sind freilich für den Andern nötig um zu erkennen, daß ein Befehl gegeben wurde; aber doch nicht für den Befehlenden! Der könnte doch befehlen auch wenn der Andere es nicht merkte.”

99[1] &
100[1]

Nun, es gibt im Deutschen (z.B.) eine “Befehlsform”. Die Worte “Geh aus dem Zimmer” kann man einen Befehl nennen wie & bei welcher Gelegenheit immer sie ausgesprochen wurden. Die ‘Befehlsform’ aber gibt es nur, weil es eine bestimmte Handlungsweise (Familie von Handlungsweisen) das Befehlen gibt. Es geschieht z.B. daß der Befehl ohne jeden befehlenden Ausdruck gegeben wird, daß er nicht befolgt wird, & daß die Nichtbefolgung nicht geahndet wird. Und wenn das einmal geschehen kann, warum nicht immer? Wenn das immer geschähe, wie immer das aussähe, die Erscheinung des Befehlens gäbe es nun nicht.

100[2] &
101[1]

Du sagst: “Der Befehlende könnte doch wissen daß er befiehlt”. Aber was weiß er denn, wenn er das weiß? Gewiß es kann vorkommen daß Einer sagt: “Ich hatte das als einen Befehl gemeint, es wurde aber nicht so aufgefaßt”. Aber wie hat er denn gelernt was ein Befehl war, was es heißt, etwas als Befehl meinen? Das sind ja Worte der Sprache, Mittel der Verständigung; nicht ein Stöhnen, oder Grunzen.

101[2] &
102[1] &
103[1]

Und hier sind wir am Rande einer Diskussion, über die Sprache in der Einer nur zu sich, nur für ihn selber verständlich über seine privaten Erlebnisse spricht. In diese Diskussion, die zu den Problemen des Idealismus & Solipsismus gehört werde ich hier nicht eintreten. Nur soviel will ich sagen daß hier gar keine Sprache beschrieben wurde obwohl es so schien. Es verbürgt uns nichts daß ein Wort dieser Sprache zweimal in der gleichen Bedeutung verwendet wird. Denn sagst Du, die Gegenstände sind hier gleich, wenn sie mir gleich scheinen, so frage ich: “wenn sie Dir wie scheinen?” “Gleich” ist ja ein Wort der allgemeinen Sprache.

103[2] &
104[1] &
105[1]

In einem andern Sinn gibt es freilich eine private Sprache. Etwa die eines Robinson Crusoe der zu sich selbst spricht. Zuerst diese Bemerkung: zu sich selbst sprechen heißt nicht sprechen & allein sein. Man könnte sich also einen Menschen denken der sich selbst durch Worte zur Tat aufmuntert, sich selbst eine Frage stellt & beantwortet sich selbst Vorwürfe macht. Nun wir würden so ein Phänomen nur dann Sprache nennen, wenn die Handlungsweise dieses Menschen der menschlichen überhaupt ähnlich wäre & wenn wir insbesondere seine Gebärden– & Mienensprache der Trauer des Unwillens, der Freude etc. verstünden. Man könnte das eine Sprache oder ein sprachähnliches Phänomen nennen. Man kann sich doch einen Menschen vorstellen der allein lebt & Bilder von den Gegenständen um ihn her zeichnet (etwa an die Wände seiner Höhle) & so eine Bildersprache ließe sich leicht verstehen.

105[2] &
106[1]

Aber wer sich selbst aufmuntert der beherrscht darum noch nicht das Sprachspiel einen Andern aufzumuntern. Wer zu sich sprechen kann kann damit noch nicht zu Andern sprechen. Wenn einer Patience legen kann so kann er damit noch nicht mit Andern Kartenspielen.

106[2]

Sowie es ein sprachähnliches Phänomen geben kann: eine Sprache die jeder nur zu sich selber redet, in der einer sich etwa Handlungsweisen überlegt.

106[3] &
107[1]

Sprache: das sind vor allem die Sprachen die die Völker der Erde sprechen. Und dann nennen wir Sprache Phänomene welche mit jenen Sprachen Ähnlichkeit haben.

108[1]

Befehlen ist eine Technik unsrer Sprache. Wer in ein fremdes Land käme dessen Sprache er nicht versteht wird im allgemeinen unschwer herausfinden, wann ein Befehl gegeben wurde.

108[2] &
109[1]

Man kann sich aber doch auch selbst etwas befehlen. Wenn wir aber einen Robinson beobachteten der sich in einer uns fremden Sprache einen Befehl gäbe, so wäre dies schon viel schwerer zu erkennen.

109[2] &
110[1]

Ist es aber genug daß Einer etwas sagt & ein andrer irgend etwas tut, daß ein Befehl befolgt werde? Worin besteht das Phänomen des Befehlens & Gehorchens? Es ist eine Technik des menschlichen Lebens & unserer Sprache. Es ist schwer oder unmöglich eine allgemeine Beschreibung, aber leicht, Beispiele dieser Technik zu geben.

110[2] &
111[1]

Kämen wir in ein fremdes Land mit fremder Sprache & fremden Sitten, so wäre es manchmal leicht eine Sprach- & Lebensform zu finden die wir Befehlen & Befolgen zu nennen hätten, vielleicht aber besäßen sie keine Sprach- & Lebensform die ganz unserm Befehlen etc. entsprächen. So wie es vielleicht ein Volk gibt, das keine unserm Gruß entsprechende Lebensform besitzt.

111[2]

(Häuptling)

111[3]

Die gemeinsame menschliche Handlungsweise ist das Bezugssystem, mittels welches wir uns eine fremde Sprache in die unsere übersetzen.

111[4] &
112[1]

Denken wir uns die Menschen eines Stammes gebrauchten zu ihrer Verständigung eine Gebärden & Mienensprache & diese wäre uns wenigstens in groben Zügen verständlich. Sie begleiteten aber das Gebärden- & Mienenspiel mit Lauten & Lautreihen die auf den ersten Blick unserer Lautsprache zu entsprechen schienen. Es wäre uns aber unmöglich Wörter für diesen oder jenen Gegenstand oder für Tätigkeiten etc., zu fixieren. Vielmehr hätte es den Anschein als dienten jene Lautreihen als klangliche Bilder der Gegenstände. Diese Leute hätten eine Kultur, bauten sich Hütten trieben Viehzucht etc., gäben dabei offenbar Befehle fragten, antworteten u.s.w. Was läßt uns hier sagen dieser Mann gäbe jenem jetzt eine Antwort auf seine Frage? Doch nur die durchgreifende Ähnlichkeit ihrer ganzen Lebensweise mit der unsern.

114[2] &
115[1]

Aber weiß nicht, wer einen Befehl gibt, daß er einen Befehl gibt ob wir’s merken können oder nicht, also auch wenn sein Leben noch so verschieden von dem unsrigen ausschaut? Wenn wir ihn fragten, oder fragen könnten, würde er ja oder nein sagen? – In welcher Sprache? Nun, entweder in der seinen oder in der unsern. Aber wenn er in seiner Sprache anscheinend ein Wort für eine bestimmte Handlungsweise benützt – mit welchem Recht sollen wir es in unser Wort “befehlen” übersetzen. Und wenn er unsre Sprache lernt, mit welcher Berechtigung sagt er auch er ‘befehle’ bei sich zuhause nur schaue es ganz anders aus.

115[2]

Würden wir’s Befehlen nennen wenn es nur einmal isoliert gebraucht würde.

116[1]

Sollten wir sagen wir wissen dann nicht ob es ein Befehlen war weil wir nicht in des Andern Seele schauen könnten?

116[2] &
117[1]

Wie wenn ein Mensch (ein Höhlenmensch etwa) immer nur zu sich allein spräche. Denk Dir einen Fall in welchem wir sagen könnten: “Jetzt überlegt er ob er so oder so handeln soll. Jetzt faßt er einen Entschluß. Jetzt befiehlt er sich selbst eine Handlung”. Es ist möglich sich so etwas vorzustellen wenn er sich etwa einfacher Zeichnungen bedient die wir deuten können.

117[2]

Befehle werden manchmal nicht befolgt. Aber wie würde es aussehen wenn Befehle nie befolgt würden?

117[3] &
118[1]

Ich kann heute ein Spiel erfinden das weder ich noch ein Anderer je spielen wird. Wie sehe es aber aus wenn nie Spiele gespielt sondern nur erfunden worden wären.

118[2] &
119[1] &
120[1]

Nun kann ich mir das nicht vorstellen? Von Zeit zu Zeit nimmt jemand Papier & Bleistift zur Hand & entwirft den Plan zu dem was wir ein Spiel nennen würden (etwa zum Tennisspiel) & schreibt die Regeln des Spiels dazu. Er setzt vielleicht dazu: es wäre hübsch wenn wir so handeln würden. Warum sagte ich also dieser Zustand ließe sich nicht vorstellen? Nun, wenn es ihn gäbe & wir sähen ihn, so ist die Frage ob wir ihn mit unserem Begriff des Spiels in Zusammenhang bringen würden. Besonders, wenn die Spiele die jenen Plänen entsprächen sehr verschieden wären von denen die bei uns gebräuchlich sind. “Übergang von der Quantität zur Qualität”

120[2]

“Es ist folgendes geschehen: – er hat sich vorgestellt daß – – – geschehen ist.”

Aber man könnte natürlich sagen: Es ist folgendes in seinem Geist vorgegangen: –

120[3] &
121[1] &
122[1]

Wenn Einer schreibt, könnte man sagen, er spricht auf dem Papier. Ist es nun ähnlich wenn wir sagen “er spricht in der Vorstellung”? Kann man sagen es geschieht da etwas im Geist was dem Sprechen analog ist & in Sprache übersetzt werden kann. Erklärt es irgendetwas das zu sagen. Ist es nicht nur ein Bild das uns gar nichts nützt uns irreführt. Denn vergleichen wir in der Vorstellung sprechen mit einem Vorgang den wir in Sprache übertragen können, so könnte dies ein ganz beliebiger Vorgang sein & die Übertragung brauchte nicht nach einer Regel geschehen.

122[2]

Du kannst doch in der Vorstellung sprechen. Ist es also unmöglich, daß Du nur in der Vorstellung sprechen könntest . Nun freilich niemand andrer wüßte es aber das macht ja nichts.

123[1]

Wenn einer in der Vorstellung spricht so tut er damit nichts das dem Sprechen in irgendeiner Weise analog wäre oder sich in Sprache übersetzen ließe.

123[2]

Es ist nicht leicht philosophische Schlüssel zu finden, aber die Schlösser zu den Schlüsseln finden ist das schwerste.

123[3] &
124[1]

Es ist nicht leicht philosophische Schlüssel zu finden, die viele Schlösser eröffnen. Aber die Schlösser zu diesen Schlüsseln finden, das ist das schwerste.

124[2] &
125[1]

Wer uns die Sprache eines Volkes beschreibt beschreibt eine Gleichförmigkeit ihres Benehmens. Und wer eine Sprache beschreibt die Einer mit sich allein spricht, der beschreibt eine Gleichförmigkeit seines Benehmens & nicht etwas was sich einmal zugetragen hat. Aber “eine Sprache sprechen” werde ich nur ein Verhalten nennen das unserem wenn wir unsre Sprache sprechen analog ist.

125[2]

Ein Schrei entringt sich ihm. Worte entringen sich ihm.

125[3]

Ist der Schrei wahr, oder falsch? Wie, wenn ich sagte, er sei echt, oder nicht echt?

125[4] &
126[1]

Nicht, natürlich, als sei das Wort “echt” richtiger als “wahr”! Es erinnert nur an einen grammatischen Unterschied, der übersehen, oder nicht verstanden wird.

126[2] &
127[1]

Aber kann sich der nichts vorstellen, der keine Sprache gelernt hat? Das heißt wohl: hat es keinen Sinn von einem zu sagen er stelle sich etwas vor, der keinen Ausdruck der Vorstellung besitzt? Nun hat es Sinn von einer Füllfeder zu sagen sie stelle sich etwas vor? Und wenn nicht, warum? Im Märchen aber könnte man dennoch davon reden wie sich eine Füllfeder sich dies & jenes vorgestellt hat.

127[2] &
128[1]

Wenn ich mir etwas vorstelle, so geschieht doch wohl etwas!! Nun, es geschieht etwas – – – & wozu mache ich dann einen Lärm? Wohl dazu, was geschieht mitzuteilen. – Aber wie teilt man denn überhaupt etwas mit? Wann sagt man, etwas werde mitgeteilt? Was ist, sozusagen, der Mechanismus einer Mitteilung? Wie schaut das Spiel des Mitteilens aus? Ist es das gleiche, Spiel ob ich nun einen physikalischen Vorgang mitteile oder einen seelischen?

128[2] &
129[1]

Und das was man erlebt davon sagt man noch dazu ja, daß es sich nicht mitteilen lasse. Und wenn Du sagst “Ich sage es eben mir selbst” so frage ich wieder, was das heißt, & was der Lärm mit dem zu tun hat was “geschieht”. Wie meint man denn mit dem Wort was geschieht.

129[2]

Denke Dir folgendes: Du gibst jemand ein Signal, wenn Du Dir etwas vorstellst & Du benutzt verschiedene Signale für verschiedene Vorstellungen. Wie vereinbart ihr nun was jedes Signal bedeuten soll?

130[1]

Aber wenn ich z.B. mit mir selbst rede so geht dort doch etwas vor! Du willst sagen es geht da etwas wie eine Lautbewegung vor sich.

130[2]

Bezieht sich der Schrei auf den Schmerz?

130[3]

Wer laut liest, liest nicht leise & laut. Wer laut spricht, spricht nicht laut & zugleich unhörbar zu sich selbst.

131[1]

Wie lehrt & lernt man, leise für sich selbst lesen?

131[2]

Wenn ich ein Gedicht auswendig lerne, indem ich es wieder & wieder für mich leise lese & hersage, verrichte ich doch eine Arbeit & vielleicht eine anstrengende.

131[3]

Was ist das Kriterium der Gleichheit zweier Vorstellungen? D.h.: wie vergleicht man Vorstellungen ?

132[1]

So war also in Deinem Geist eine Leere? Gott bewahre! Was ich sagte bedeutete ja das Gegenteil davon.

132[2] &
133[1]

Aber ich bin geneigt, zu sagen, es ist hier etwas ganz bestimmtes geschehen worauf sich meine Worte beziehen. Ein Vorgang analog einem äußern Vorgang den meine Worte beschreiben. Nun, es ist interessant, daß wir geneigt sind das zu sagen.

133[2]

Ich stelle mir vor daß der Baum umfällt, ich sehe es deutlich vor mir. Ich habe ein klares Bild vor meinem geistigen Auge. Warum ein Bild?! Wenn ein Bild, warum nicht den Baum?

133[3] &
134[1]

Könnte man es sich nicht denken daß Leute immer nur unhörbar, & zu sich selbst, sprächen (&) nie laut. Sie könnten das freilich nicht gelernt haben es aber dennoch tun. Sie brauchten ja eben nur so ausschließlich reden wie sie sonst zu Zeiten reden. Warum soll nicht das was manchmal geschieht immer geschehen?

134[2] &
135[1]

Nehme ich an daß diese Leute die vorgestellte Sprache in ein wirkliches Sprechen übertragen könnten, oder daß sie es nicht könnten? Und könnten sie es, wenn sie es nie täten?

135[2]

Gedankenlos & gedankenvoll Musik machen.

135[3] &
136[1]

Eine Linie könnte genug sein um eine ganze Symphonie zu bestimmen, wenn die Vorarbeiten getan sind. Die Linie sehen könnte uns veranlassen zu sagen wir sähen das ganze Werk vor uns weil wir gewiß sind es nun schreiben zu können. Wir könnten auch sagen: “aus dieser Linie muß mir alles folgen.” Und ob ich mit dieser Gewißheit recht hätte würde sich beim Ausarbeiten zeigen. Wir sind manchmal gewiß etwas zu können; & in einer großen Mehrzahl von Fällen können wir es dann auch.

136[2] &
137[1] &
138[1]

Ich bin z.B. gewiß die & die Melodie pfeifen zu können wenn mir nur jemand die Anfangstakte angibt. Was gibt mir die Berechtigung zu dieser Gewißheit? Ist es daß ich die Melodie bisher immer habe pfeifen können & sie mir nie entfallen ist? Das wäre Induktion. Eines ist Tatsache: ich bin gewiß; nichts würde mich mehr verblüffen, als wenn ich in mitten der Melodie stecken bliebe ohne eine besondere & offenbare Ursache; & bis jetzt habe ich eine solche Überraschung selten oder nie erlebt.

138[2] &
139[1]

Ich habe eine walisische Stimme gehört. Ich finde etwas seltsames in Intonation, der Art des Sprechens. Was es ist, könnte ich aber nicht sagen. Später, wenn ich diese Sprechweise an Anderen öfter gehört habe, kann ich sie nachahmen & beschreiben, & nun weiß ich wie der gesprochen hat von dem ich sie zuerst gehört habe. – Wußte ich also damals, als ich ihn sprechen hörte, nicht, wie er sprach, & jetzt – in der Erinnerung – weiß ich’s? Ähnlich könnte es geschehen, daß ich ein Gesicht sehe & erst später, wenn ich es nicht mehr sehen kann, zeichnen lerne, & nun im nachhinein genauer weiß, wie das Gesicht ausgesehen hat, als zu der Zeit, da ich es lebendig vor mir hatte.

140[1] &
141[1] &
142[1]

Ich erstarre zu Stein & meine Schmerzen dauern an. Und wenn ich mich nun irrte & es nicht mehr Schmerzen wären! – Aber ich kann mich doch hier nicht irren – es heißt doch nichts, zu zweifeln, ob ich Schmerzen habe! – D.h. wenn Einer sagte “Ich weiß nicht, ist das Schmerzen, was ich habe; oder ist es etwas anderes?” so würden wir uns etwa denken, er wisse nicht was das Wort “Schmerz” bedeute, & wir würden’s ihm nun erklären. Wie? Nun durch Gebärden oder etwa indem wir ihn mit einer Nadel stächen & sagten “Siehst Du das sind Schmerzen”. Er könnte diese Worterklärung, wie jede andere, richtig, falsch, oder gar nicht verstehen; & sein Verständnis würde sich im Gebrauch des Worts zeigen, wie auch sonst. – Wenn er nun z.B. sagte “Oh, ich weiß, was ‘Schmerz’ heißt; aber ob das Schmerzen sind, was ich jetzt hier fühle, das weiß ich nicht”– da würden wir bloß die Köpfe schütteln & müßten seine Worte für eine seltsame Reaktion ansehen, mit der wir nichts anzufangen wissen.

142[2] &
143[1] &
144[1]

Ein Ausdruck des Zweifels gehört nicht zu diesem Sprachspiel Aber wenn nun der Ausdruck des Schmerzes, das Schmerzbenehmen, ausgeschlossen ist, dann scheint es, ich dürfe wieder zweifeln. Denn ich bin aus der Praxis der Sprache herausgetreten. Der Satz “Wenn ich mich nun, irrte & es gar nicht Schmerzen wären” ist Unsinn, weil ein Kriterium der Gleichheit der Empfindungen vorgespiegelt wird, das es gar nicht gibt. (Erinnere “Ein Andrer kann nicht diese identischen Schmerzen haben, die ich jetzt habe.”) Aber daß ich hier vorgebe, man könne die Empfindung verkennen die Empfindung für was andres halten, als was sie ist, kommt daher: Wenn ich das Sprachspiel mit dem Ausdruck der Empfindung abgeschafft denke, brauche ich nun ein Kriterium der Identität, & dann besteht (auch) die Möglichkeit des Irrtums.

144[2]

Es liegt schon ein Mißverständnis im Begriff des ‘Andauerns’ der Empfindung. Denn was ist unser Kriterium dafür, daß eine Empfindung sich nicht ändert, dieselbe bleibt?

145[1]

Nimm an, ich kann aus meinen Empfindungen, auf gewisse Vorgänge in meinen Nerven, Gehirn & andern Organen schließen – wie es ja tatsächlich der Fall ist; so kann ich also in gewissem Sinne unmittelbar auf körperliche Vorgänge schließen, solche voraussagen. Das ist der Sinn der Worte meine Bewußtseinszustände seien nur eine andre Seite der Gehirnvorgänge, seien diese, ‘von innen gesehen’.

146[1] &
147[1]

Wenn Du Schmerzen hast & daraus auf hohen Blutdruck schließt, wirst Du doch nicht sagen wollen, Du habest aus nichts auf hohen Blutdruck geschlossen. Und wie ist das Experiment zu beschreiben: Du beobachtest Deinen Blutdruck & siehst zu wie er von Deinem Schmerzzustand abhängt. Dabei aber rufst Du nicht durch äußere Mittel die Schmerzen hervor sondern vergleichst nur ihren Verlauf mit dem des Blutdrucks. Denk Dir nun, statt Kreuzchen in einen Kalender einzutragen wenn er Schmerzen hat mache er dies Experiment! Ist das kein Experiment? Wird es nun dadurch zu einem daß er einen Ausdruck des Schmerzes hat? Kann er nicht eben die Veränderung des Blutdrucks richtig für Jeden sichtbar voraussagen?

148[1]

Und hier spielt wieder das ‘richtige’ Wiedererkennen seiner Empfindung gar keine Rolle. Denn es genügt daß er sie wiederzuerkennen glaubt, da das wichtige Resultat das richtige Voraussagen der körperlichen Erscheinung ist. Und daher muß es auch falsch sein wenn ich sage, er glaube die Empfindung wieder zu erkennen.

148[2] &
149[1]

Wie kann ich mir einbilden so uralte Probleme lösen zu können?! Für immer werde ich sie gewiß nicht lösen können, sonst wären sie nicht so uralt geworden. Es sei denn, daß jetzt die Zeit sie löst & das Ende dieser Probleme gekommen ist. – Wenn ich sie lösen kann, dann nur dadurch daß ich sie auf ein andres Geleise schiebe, sie für unsre gegenwärtige Denkweise aus dem Weg räume.

150[1]

Der Unsinn gegen den ich kämpfe ist der halbe Solipsismus, der sagt die Empfindung kenne ich intim daher, daß ich sie habe & nun verallgemeinerte ich meinen Fall.

150[2]

Den Begriff ‘Schmerz’ hast Du mit der Sprache gelernt.

150[3] &
151[1]

Wie nötig die Arbeit der Philosophie ist zeigt James’ Psychologie. Die Psychologie, sagt er, sei eine Wissenschaft bespricht aber beinahe keine wissenschaftlichen Fragen. Seine Bewegungen sind lauter Versuche sich vom Spinnennetz der Metaphysik, in dem er gefangen ist, zu befreien. He cannot yet walk, or fly at all he only wiggles. Nicht, daß das nicht interessant ist. Es ist nur nicht eine wissenschaftliche Tätigkeit.

151[2] &
152[1]

Wie kann ich denn, von dem Begriff der Empfindung, den ich gelernt habe, dahin kommen zu wissen, daß eine Empfindung fortbestehen kann ohne Träger? Das muß doch auf einem Mißverständnis dieses Begriffs beruhen.

152[2]

To smell a rat is ever so much easier than to trap it.

152[3] &
153[1] &
154[1]

Ich sitze in einem Sessel habe die Augen geschlossen. Ich fühle Schmerzen, ich fühle mich atmen, ich fühle den Druck des Sessels gegen meinen Körper. Nun, nennen wir das einmal eine Erfahrung. Und nun sage ich: wie weiß ich, daß ich nicht zu einem Stein geworden bin? (Oder auch: daß mein Körper nicht ganz verschwunden ist? Denn das eine ist doch eigentlich so gut, wie das andre.) Die Erfahrung ist also da, auch wenn der Körper nicht mehr ist . ‘Die Erfahrung’– aber welche Erfahrung? Nun die, die ich jetzt gerade habe. Aber damit das Sinn hat, brauche ich doch ein Kriterium des Andauerns der gleichen Empfindung. Es geht nicht an zu sagen

“Nun eben diese!” & auf etwas zu zeigen. – Kann ich hier sagen: “Ich mußte doch im Einklang mit den Andern bleiben & “Empfindung” & “gleiche Empfindung” nur das nennen, was auch sie so nennen”? Nun, das heißt schon etwas (& es ist wahr), aber was es heißt, ist leicht mißzuverstehen.

154[2] &
155[1] &
156[1]

Ich kann mir doch vorstellen, daß mein Bewußtseinszustand andauert & mein Körper verschwindet. Kann ich mir auch vorstellen, daß sein Schmerz andauert & sein Körper verschwindet? – Doch; man hat sich ja solche Dinge oft vorgestellt. – Aber ist nicht ein merkwürdiger Unterschied zwischen dem Vorstellen dieser beiden Fälle?! Im zweiten scheine ich mir etwas, wie ein Gespenst vorzustellen; im ersten nicht. Und “eine Empfindung haben” muß, wie wir es gebrauchen für mich & alle Andern den gleichen Sinn haben.

156[2]

“Ich brauche ein Kriterium des Andauerns der gleichen Empfindung”, sagte ich. – Warum aber? Weil der Ausdruck für die Empfindung, so wie er aus seinem Sprachspiel herausgelöst ist, völlig in der Luft hängt.

156[3] &
157[1]

Könnte man das auch so sagen: “Wenn die Empfindung mich zu nichts mehr bringt, so kann ich sie nicht mehr identifizieren.”

157[2] &
158[1]

Das hängt mit dem Begriff der ‘Geschichte der Empfindungen’ zusammen. Unsere ‘Bewußtseinszustände’ haben Geschichte. Sie sind gleichzeitig mit Geschehnissen in der Körperwelt. Und das heißt auch unsre Erinnerungszustände haben diese Geschichte. Daher enthält der Erinnerungszustand seine geschichtliche Vergangenheit nicht, & es muß andere Zeugnisse für sie geben.

158[2] &
159[1]

Es scheint paradox daß wir in einem Bericht Körper- & Bewußtseinszustände kunterbunt durcheinander mischen: “Er litt große Qualen & warf sich unruhig umher, dann wurde er ruhiger & verbiß seinen Schmerz.” Das ist ganz gewöhnlich; warum erscheint es also paradox? Weil wir sagen wollen, der Satz handle von greifbarem & ungreifbarem. – Aber findest Du etwas dabei, wenn ich sage: “Diese 3 Stützen geben dem Hause Festigkeit”? (Sind 3 & Festigkeit greifbar?) Sieh den Satz als Instrument an & seinen Sinn als seinen Gebrauch! (“Als ich wieder in den Laden kam, war der Käse inzwischen teurer geworden.”)

159[2] &
160[1]

Kann es aber nicht eine Geschichte ohne Zeugnisse geben? Wir wissen dann freilich nicht, ob sie wahr, oder falsch ist, aber sie ist wahr, oder falsch.

160[2] &
161[1]

Ich identifiziere meine Empfindung freilich nicht, sondern ich gebrauche das gleiche Wort. Aber damit endet ja das Sprachspiel nicht, damit fängt es (erst) an. Aber fängt das Sprachspiel nicht mit der Empfindung an – die ich beschreibe? – Das Wort “beschreiben” hat uns vielleicht da zum besten. Ich sage “Ich beschreibe meinen Seelenzustand” & “Ich beschreibe mein Zimmer”. Hier muß man sich die Verschiedenheiten der Sprachspiele ins Gedächtnis rufen.

161[2] &
162[1]

Wenn ich nun aber einen Wohnraum beschreibe, den nur ich gesehen habe & je sehen werde, kommt das nicht auf’s Gleiche hinaus als beschriebe ich etwas, was nur ich sehen kann?

162[2]

Könnte der das Wort “Schmerz” verstehen, der nie Schmerz gefühlt hat? – Was ist das für eine Frage? Soll die Erfahrung mich lehren, wie es sich verhält? Und wenn Du sagst “Einer kann sich Schmerzen nicht vorstellen, außer er hat sie einmal gefühlt” – woher weißt Du das? Wie läßt es sich entscheiden, ob das wahr ist?

162[3] &
163[1] &
164[1]

“Aber Du wirst doch zugeben, daß ein Unterschied ist zwischen Schmerzbenehmen mit Schmerzen & Schmerzbenehmen ohne Schmerzen. – Zugeben? Welcher Unterschied könnte größer sein! – Und doch gelangst Du immer wieder zum Ergebnis der Schmerz selbst sei ein Nichts. – Nicht doch! Es ist kein Etwas, aber auch nicht ein Nichts! Unser Ergebnis war nur, daß ein Nichts die gleichen Dienste täte, wie ein Etwas, worüber sich nichts aussagen läßt. D.h., wir verwarfen die Grammatik, die sich uns aufdrängte. Und das Paradox verschwindet, & verschwindet nur dann, wenn wir radikal mit der Idee brechen, die Sprache funktioniere immer auf eine Weise, diene immer dem gleichen Zweck: Gedanken zu übertragen – seien diese nun Gedanken über Häuser, Schmerzen, Gut & Böse, oder was immer.

165[1]

Aber was ist das nun für ein Satz: “Welcher Unterschied könnte größer sein!” Ein Ausruf. Aber ist er wahr, oder falsch? (Denn der Ausruf “Es regnet schon wieder!” kann wahr, oder falsch sein.)

165[2] &
166[1] &
167[1]

Ein Gedanke gehört zu einer Gruppe von Gedanken, die wenn er da ist auf den leisesten Wink kommen. Und das ist nicht ein Fall von Assoziation; sondern man könnte sagen: der Satz, den ich ausspreche ist gar kein kompletter Gedanke, sondern nur ein Teil. Der Gedanke sei die ganze Geschichte zu nennen, von der ich jetzt nur einen Satz benütze. Ich meine: es ist beinahe als zitierte ich einen Satz aus der Szene eines Romans, etwa. Wobei ich z.B. beim Hörer die ‘Kenntnis’ des ganzen Zusammenhangs voraussetze. Also eine Fähigkeit von diesem Satz auf andere, die zu der Geschichte gehören, ohne Nachdenken überzugehen. In diesem Sinne könnte man den ausgesprochenen Satz eine Andeutung nennen.

167[2] &
168[1]

Das französische “ne … pas”. Man kann doch hier sagen, daß jedes Bewußtsein dafür verloren gegangen ist, daß “pas” Schritt heißt die Redeform also heißt: nicht einmal ein Schritt (wie: “nicht ein Härchen”). Aber man kann auch sagen, daß nicht nur die Vorstellung eines Schrittes hier nicht hervorgerufen wird sondern das ‘ne pas’ auch nicht so empfunden wird wie “nicht einmal …” also als eine verstärkte Negation. Wohl; aber was heißt das nun? Das erinnert ja an das Jamessche feeling of if etc. Soll ich also sagen es gäbe ein bestimmtes Gefühl, das das Wort ‘pas’ zu einem die Negation verstärkenden Substantiv stempelt?

169[1]

Nun es handelt sich wieder um die von dieser Redeweise aus leicht zugängliche Umgebung. Ich gebrauche das Wort “ein bißchen” ohne im entferntesten an einen Bissen zu denken. Und das heißt z.B., daß ich mich nicht wie sonst in acht nehmen werde keine unpassende Metapher mit der des kleinen Bissens zu vermischen.

169[2] &
170[1]

Die Schwierigkeit in die ich mich mit meinen Ideen von der Schmerzäußerung verwickle könnte man so darstellen: Wenn “Ich habe Schmerzen” für den …

170[2]

Betrachte den Satz: “Ich tue nur, als hätte ich Schmerzen”. In was für Fällen würde man dies sagen? – Seltsamerweise auch in dem Fall, in welchem Einer sich so stellt, als hätte er Schmerzen, die er zu verbergen sucht.

170[3] &
171[1]

Ich sage jemandem, ich habe Schmerzen. Seine Einstellung zu mir wird nun die des Glaubens sein; des Unglaubens; des Mißtrauens; etc..

171[2] &
172[1]

Nehmen wir an er sagt: “Es wird nicht so schlimm sein”. Ist das nicht der Beweis dafür, daß er an etwas glaubt, das hinter der Äußerung des Schmerzes steht? Seine Einstellung ist nur ein Beweis seiner Einstellung. Denke Dir nicht nur den Satz “Ich habe Schmerzen” sondern auch den: “Es wird nicht so schlimm sein”, durch Naturlaute & Gebärden ersetzt!

172[2] &
173[1]

Welche Rolle spielt die Wahrheit, oder Falschheit eines Berichts in andern Sprachspielen? – Ich sehe zum Fenster hinaus & sage ihm: “Der Wind hat den Baum umgeworfen”. Er eilt hinzu, sieht, daß ich ihn zum besten gehabt, – oder die Wahrheit gesprochen habe.

173[2] &
174[1] &
175[1]

“Welcher Unterschied könnte größer sein!” – Im Fall der Schmerzen glaube ich, ich könne mir diesen Unterschied privat vorführen. Im Fall des umgeworfenen Baumes kann ich ihn jedem vorführen. Aber diese private Vorführung ist eine Illusion & Du brauchst Dir zu ihr auch gar nicht Schmerzen hervorrufen, sondern es genügt z.B., wenn Du Dir sie vorstellst, z.B. etwas das Gesicht verziehst. Und wie weißt Du, daß, was Du Dir da vorstellst, Schmerzen sind & nicht ein Ausdruck des Schmerzes? Diese Vorführung ist eine Illusion. Wie weißt Du auch, was Du Dir vorführen sollst, ehe Du Dir’s vorführst? (Du mußt Dich an den Gedanken gewöhnen daß Sprach-Reaktionen, wie andere, oft geschehen auftreten, wenn sie keinen Zweck haben. Und es wäre gar zu merkwürdig, wenn es nicht so wäre.)

175[2]

“Häufe das Benehmen, wie Du willst, – es gibt immer noch keine Schmerzen!”

175[3] &
176[1] &
177[1]

Aber sind die Fälle des Baumes & der Schmerzen nicht doch ganz ähnlich? Denn dem Gesichtsbild im einen entspricht die Schmerzempfindung im andern. Die Gesichtsempfindung kann ich mir so wenig vorführen, oder

ebenso sehr wie die Schmerzempfindung. Denk Dir diesen Fall die Oberfläche von Körpern (Steinen, Pflanzen, Knochen etc.) hatte bestimmte Punkte welche unserem Finger bei der Berührung Schmerzen verursachten ohne uns bekannte Ursache. (Man könnte sich etwa vorstellen daß wir bei der Berührung gewisser Punkte einen elektrischen Schlag empfinden, ohne daß uns von Elektrizität etwas bekannt wäre.) Wir könnten dann, so wie wir heute von einem rotgefleckten Stein reden von einem mit Schmerzflecken reden. D.h. die Schmerzempfindlichkeit könnte zum Erkennen der Außenwelt auf ähnliche Weise gebraucht werden wie die Tastempfindung.

177[2]

Wir sagen dieser Stein ist heiß, oder kalt, aber nicht, er ist schmerzhaft.

177[3]

Man könnte sagen “dieser Stein brennt”.

178[1]

Ich kann Schmerzen vorführen, wie ich rot vorführe, & wie ich gerade & krumm, & Baum & Stein vorführe. – Das nennen wir eben “vorführen”.

178[2] &
179[1]

Wie ist es nun mit dem Worte “blau” z.B. – soll ich sagen, dies bezeichne etwas der Erkenntnis aller, oder der meisten, Menschen gemeinsames & jeder sollte eigentlich außer diesem Wort noch ein anderes haben zur Bezeichnung seiner eigenen Empfindung von Blau? Oder ist es so: Das Wort “blau” bezeichnet für den Andern (& vielleicht manchmal auch für mich) das gemeinsame Blau; für mich aber bezeichnet es außerdem etwas privates; oder vielleicht besser: es bezieht sich auf etwas privates?

179[2] &
180[1]

Hier muß ich sagen, daß das wesentliche am ‘privaten’ nicht das ist, daß es jeder allein besitzt, sondern eigentlich, daß Keiner weiß, ob der Andere auch dies hat, oder etwas anderes. Es wären also solche Annahmen möglich wie die, daß alle Menschen tatsächlich, ohne es zu wissen, die gleiche Empfindung von blau haben, oder daß jeder eine andere hat, oder daß 50% der Menschen eine, & 50% eine andere haben.

180[2] &
181[1] &
182[2] &
183[1]

Natürlich, wie & wozu man das Private bezeichnen soll ist ganz unklar. Sagt man aber: das Wort bezieht sich auf die eigene Empfindung, so entspricht dieser psychologisch genauere Ausdruck einem bestimmten Erlebnis beim Philosophieren. Schau auf das Blau des Himmels, sag zu Dir selbst: “Wie blau der Himmel ist!” – Wenn Du es spontan tust – nicht mit philosophischen Absichten – so denkst Du nicht dran, daß dieser Farbeneindruck, nur Dir gehöre. James ist eine Fundgrube der Psychologie des Philosophen.

Und Du hast kein Bedenken diesen Ausruf an einen Freund zu richten, der mit Dir ist. Und wenn Du bei den Worten auf etwas zeigst, so ist es der Himmel; ich meine: Du hast nicht das Gefühl des in-sich-selbst-Zeigens, das oft das ‘Benennen der Empfindung’ begleitet, wenn wir über die ‘private Sprache’ nachdenken. Du denkst auch nicht, Du solltest eigentlich nicht mit der Hand, sondern nur mit der Aufmerksamkeit zeigen.

183[2] &
184[1] &
185[1] &
186[1]

Aber wie ist es überhaupt möglich, daß wir in (der) Versuchung sind, zu denken, wir meinten manchmal mit der Erklärung “Dies heißt ‘rot’” die Farbe, die Jeder sehen kann, manchmal aber dasjenige, was ich den “visuellen Eindruck” nennen möchte & was mir – ja vielleicht mir & dem Moment – eigen ist? Ich gebe der Farbe jedenfalls in diesen Fällen verschiedene Aufmerksamkeit. Im zweiten Falle vertiefe ich mich, sozusagen, in sie, wie ich es tue wenn ich mich an einer Farbe nicht satt sehen kann. Daher ist es leichter die Empfindung dieses Falles zu erhalten, wenn die Farbe kräftig & leicht einprägbar ist.

186[2] &
187[1] &
188[1]

Jemand kommt in ein Land, das, wie es scheint nicht von Menschen bevölkert ist. Aber da hört er Stimmen um sich her & eine Sprache, die er kennt. Es ist leicht zu hören daß die Stimme von einem andern Ort herkommt, ganz als käme jede aus dem Munde eines Menschen. Diese Unsichtbaren reden nun über allerhand Sinneseindrücke & klagen auch manchmal über Schmerzen. Ist es unmöglich, daß der, der sie hört glaube, sie hätten Schmerzen. Er kann doch z.B. von Mitleid für sie erfüllt sein & also glauben, daß sie leiden. Nun wir denken uns einen Fall, der von dem tatsächlichen nicht ganz losgelöst ist.

188[2]

Wie bin ich von Mitleid für diesen Menschen erfüllt? Wie zeigt es sich, welches Objekt das Mitleid hat?

188[3] &
189[1] &
190[1]

Ja, ich kann von Leblosem, z.B. im Spiel mit Puppen, sagen, es habe Schmerzen. Aber wie wäre es, wenn ich dies nur von Leblosem sagte? Wenn also das Puppenspiel nicht eine Nachahmung der menschlichen Tätigkeiten wäre. Wenn Kinder ‘Eisenbahn’ spielen, so hängt ihr Spiel auf mannigfache Weise mit ihrer Kenntnis der Eisenbahn zusammen. Man könnte sich aber denken, daß Kinder eines Volksstammes, der keine Eisenbahnen kennt, das Eisenbahnspiel von andern Kindern übernommen hätten & daß es sie unterhielte, obwohl sie gar nichts von einer wirklichen Eisenbahn wüßten. Man könnte sagen, dieses Spiel habe bei ihnen einen andern Sinn als bei uns.

190[2]

Wenn einmal ein Gedanke am fernen Horizont erschienen ist, so kommt er oft mit unerwarteter Schnelligkeit nahe.

190[3] &
191[1]

Gefragt, welche Farbe ich mir vorgestellt habe, zeige ich auf sie, oder nenne sie – aber wie kommt es, daß ich das ohne weiteres tun kann; daß mir die Abbildung der Vorstellung in die Wirklichkeit so wenig Schwierigkeit macht. Sehen sich denn Vorstellung & Wirklichkeit zum Verwechseln ähnlich? – Aber so kann ich doch auch ohne weiteres einen Menschen nach einer Photographie wiedererkennen. [Handelt sich’s aber hier wirklich um eine Abbildung??]

191[2] &
192[1]

Wenn also die Vorstellung eine Abbildung der Wirklichkeit ist, kann ich da fragen: “Wie muß eine richtige Vorstellung dieser Farbe aussehen?”? Kann ich das lernen?

192[2] &
193[1]

“Wenn die Menschen immer nur in ihrem Innern zu sich selbst sprächen, so täten sie nur dasjenige ständig, was sie heute manchmal tun.” Es ist also ganz leicht sich dies vorzustellen. (Vergleiche: “Eine unendlich lange Baumreihe ist einfach eine, die nicht ein Ende hat.”)

193[1] &
194[1]

Aber unser Kriterium dafür, daß Leute, zu sich selbst sprechen, ist, daß sie laut sprechen. Wir sagen nicht, ein Hund spreche vielleicht zu sich selbst, in einer europäischen Sprache. Und wenn Du sagst, es ist eben im höchsten Grade unwahrscheinlich, so ist das ein Mißbrauch des Worts “unwahrscheinlich”. Wer nicht sprechen gelernt hat, von dem sagen wir nicht er spreche zu sich selbst. Aber ich kenne doch von mir selbst, was es heißt “zu sich sprechen”. Und würde ich der Organe des lauten Sprechens beraubt, so könnte ich dennoch unhörbar Selbstgespräche führen. Ich könnte? Es wäre denkbar? Es hat jedenfalls Sinn, dies zu sagen?

194[2]

Weiß ich’s nur von mir selbst, dann weiß ich nur, was ich so nenne, nicht, was ein Andrer so nennt.

195[1]

“Er sprach in seinem Herzen zu sich”

195[2]

Wenn ich einen Entschluß fasse spreche ich in meinem Herzen zu mir, aber nicht, z.B., wenn ich philosophiere.

195[3] &
196[1]

Zitat bei James aus den Schriften eines Taubstummen Ballard, der erzählt wie er als Knabe, ehe er noch sprechen konnte, über Gott & die Welt philosophierte. Meine Reaktion ist: “Was das wohl heißen mag?!” D.h. ich nehme seine Erzählung als eine seltsame, & vielleicht interessante, Wortreaktion, aus der ich keinerlei Schlüsse auf das Knabenalter dieses Menschen zu ziehen geneigt bin. – Willst Du also sagen, es täusche ihn sein Gedächtnis? – Ich weiß nicht einmal, ob ich das sagen würde. “It was during those delightful rides, some 2 or 3 years before my initiation into the rudiments of written language, that I began to ask myself the question: How came the world into being?”– of all questions! Are you sure that this is a correct translation from your wordless thoughts into words?

197[1] &
198[1]

“Was manchmal geschieht, könnte immer geschehen.” – Was wäre das für ein Satz? Ein ähnlicher, wie dieser: Wenn “φ(a)” Sinn hat, hat “(x) ∙ φ(x)” Sinn. – Es müßte also eigentlich heißen: Wenn es Sinn hat, zu sagen, das & das geschehe manchmal – also auch, wenn es nie geschieht – hat es Sinn, zu sagen, es geschehe immer. “Wenn es vorkommen kann, daß Einer in einem Spiel falsch zieht, so könnte es sein, daß die Menschen in allen Spielen immer nur falsche Züge machten.” Das zeigt, daß wir die Logik dieser Ausdrücke, den Gebrauch unsrer Worte, nicht recht verstehen.

198[2]

“Kann ich mir vorstellen, wie es wäre, wenn alle Menschen blind wären?” – Wie, wenn ich sagte: “Mach die Augen zu, dann siehst Du’s”?

198[3] &
199[1] &
200[1]

“Diese Taubstummen haben alle nur eine Gebärdensprache gelernt, jeder aber spricht zu sich selbst eine Lautsprache.” – Nun, verstehst Du das nicht? – Wie weiß ich nur, ob ich’s verstehe? –Was kann ich mit dieser Mitteilung (wenn ich’s so nennen darf) anfangen? Die ganze Idee des Verstehens wird hier zweifelhaft. Ich weiß nicht, ob ich sagen soll, ich versteh’s oder ich versteh’s nicht. Ich möchte antworten “Es ist ein deutscher Satz; scheinbar ganz in Ordnung – ehe man nämlich mit ihm arbeiten will; er ist mit andern Sätzen so verbunden, daß es schwer fällt, zu sagen, man wisse eigentlich nicht, was er sagt; jeder Mensch der nicht philosophisch anästhesiert ist, merkt, daß hier etwas nicht stimmt.”

200[2]

Ob es eine unerfüllte Sehnsucht ist, die einen Menschen wahnsinnig macht? (Ich dachte an Schumann, aber auch an mich.)

200[3] &
201[1]

Wir sagen nicht ein Hund spreche vielleicht zu sich selber, obwohl wir nichts davon wüßten. Ist das, weil wir seine Seele so genau kennen? Nun, man könnte so sagen. – Nur vom Menschen sagen wir, er spreche zu sich selbst – & nur vom sprechenden Menschen. Nur von dem, was sich so & so benimmt. – Aber sage ich’s auch von mir nur, weil ich mich so & so benehme? Ich sage es nicht auf die Beobachtung meines Benehmens hin; aber wenn ich’s sage, hat es nur Sinn, weil ich mich so & so benehme. – So hat es also nicht darum Sinn, weil ich es meine?

202[1]

Ein Grammophon spricht ja; & könntest Du nicht annehmen, es habe eine Seele & meine mit ihr, was es spricht? Ich verstehe wohl: es ist schwer die Seele mit einer Maschine zur Deckung zu bringen. Und nun noch gar das Denken dieser Seele mit dem Sprechen der Maschine! Es ist schwer; aber ist es unmöglich?

202[2] &
203[1] &
204[1]

Wie weiß ich, was das heißt “zu mir selber (im Innern) sprechen”? Es ist doch kein ganz einfacher Übergang von der Bedeutung des Wortes “sprechen”, wenn dies heißt: Laute hervorzubringen – zu einer Bedeutung, in der es das nicht heißt. Wenn ich jemand zumute einen solchen Übergang zu machen, wie weiß ich da, wozu er übergehen wird. Wenn ich Einem sagte: Verwende das Wort “Zucker” für etwas, was so ist, wie Zucker, aber weder süß, noch eßbar; so ist nicht klar, was er nun “Zucker” nennen wird.

204[2]

Revolutionär wird der sein, der sich selbst revolutionieren kann.

204[3] &
205[1] &
206[1]

Der Sessel spricht zu sich selbst “ …”. Wo spricht er es? In einem seiner Teile? Oder außerhalb seiner selbst, in der Luft um ihn? Oder gar nicht irgendwo? Aber was ist dann der Unterschied zwischen dem Sprechen dieses Sessels & dem eines andern Dings? – Aber wie ist es dann mit dem Menschen, wo spricht er zu sich selbst? Wie kommt es, daß diese Frage irrelevant erscheint, eine Ortsbestimmung unnötig, außer der, daß eben dieser Mensch zu sich selbst spricht, – während die Frage, wo der Sessel zu sich selbst spreche, eine Antwort zu verlangen scheint? Ich glaube, der Grund ist: wir wollen wissen, wie der Sessel einem Menschen entsprechen soll; ob der Kopf am obern Ende der Lehne zu denken ist, etc..

206[2] &
207[1]

“Kann man denken, ohne zu reden?” – Und was ist Denken? Nun, denkst Du nie? Kannst Du Dich nicht beobachten & sehen, was vorgeht? Das sollte doch einfach sein. Du mußt ja darauf nicht wie auf astronomische Ereignisse warten & dann in Eile Deine Beobachtungen machen.

207[2]

Wenn ich aber denke ohne zu reden & dann in Worten sage, was ich gedacht habe, wie weiß man daß meine Übertragung in die Sprache richtig ist?

207[3] &
208[1]

Was nennt man noch “denken”? Wie hat man das Wort benützen gelernt? – Wenn ich sage, ich habe gedacht, muß ich da recht haben? Und wie ist es zu entscheiden, ob ich recht habe? Hat man das Wort “denken” so gebrauchen gelernt daß man sich fragt: “War, was ich getan habe, wirklich ein Denken?”?

208[2]

Was ist das Spiel des ‘Mitteilens’. Was ist der Mechanismus des Mitteilens?

208[3]

Was ist das Sprachspiel des Mitteilens?

208[4]

Wie ist das, wenn man zu sich (im Innern) redet; was geht da vor?

208[5] &
209[1]

Erfindungen von Sprachspielen die ich hier benütze mögen Menschen phantastisch erscheinen; aber was würden Menschen, denen Philosophie unbekannt ist, sagen, wenn man ihnen (von dem) erzählen wollte, was Philosophen geschrieben haben! Würden sie es für möglich halten?

209[2] &
210[1]

Wir sagen von einem Papagei nicht, er spreche zu sich selbst; so wenig wie von einem Grammophon. Aber könnten wir uns nicht vorstellen, daß Gott einem Papagei (plötzlich) Verstand schenkte, & daß er nun zu sich selbst redete? – Aber es ist wichtig, daß ich zu dieser Vorstellung Gott zu Hilfe nahm.

210[2]

Unser Kriterium dafür, daß Einer zu sich selbst spricht, ist das was er laut sagt, schreibt, u.a.. Und wir sagen nur von dem er spreche zu sich selbst, der, im gewöhnlichen Sinne, sprechen kann. Und wir sagen es auch nicht von einem Papagei so wenig wie von einem Grammophon.

211[1]

Ist es nicht merkwürdig, daß man nicht sagt: “und dann sprach ich lange Zeit nicht mit mir,” oder: “und als ich das zu mir gesagt hatte, schwieg ich eine lange Zeit”?

211[2]

Oder habe ich etwas übersehen?

211[3] &
212[1] &
213[1]

Wie soll ich’s erklären? Nun, nur so wie Du jemand die Bedeutung des Ausdrucks “zu sich selber sprechen” lehren kannst. Und diese Bedeutung lernt ja z.B. ein Kind. Nur daß niemand sagen wird, wer einem die Bedeutung dieses Ausdrucks lehrt sage ihm ‘was da vorgeht’ wenn Einer zu sich selbst spricht. Vielmehr scheint es uns daß der Lehrer in diesem Fall dem Schüler die Bedeutung gleichsam schonend beibringt, ohne ihm dies zu sagen, daß aber der Schüler durch den Unterricht dazu gebracht wird den Ausdruck zu verstehen, das heiße: sich selbst eine hinweisende Definition zu geben. Und hierin liegt die Illusion.

213[2]

Ich habe nämlich in der Vorstellung nicht einfach einen Übergang von einem Ort zu einem andern zu machen. Wie von Schmerzen in der Hand zu Schmerzen im Arm. Denn ich soll mir nicht vorstellen, daß ich an einem Ort seines Körpers Schmerz empfinde (was auch möglich wäre).

213[3] &
214[1]

“Sieh’ 50 + 50 gibt 100” – hier ist die Technik des Addierens schon bekannt. Die Frage kann schon gestellt werden: “Wieviel ist 50 + 50?” – “Sieh so gibt 50 + 50 100” – dies ist eine Erklärung des Sinnes der Addition überhaupt. Es ist etwa die Antwort auf die Frage: “Was heißt es 50 + 50 addieren; was heißt es, es komme dabei 100 heraus?” Als Antwort lehrt man ihn addieren.

214[2]

Der Beweis macht einen Zusammenhang der Technik. Dieser kann im Hintergrunde unserer Verwendung des Satzes weiter bestehen.

215[1]

Er ist eine Bahn die nur manchmal begangen wird. Aber bereitliegt.

215[2] &
216[1]

Wann aber liegt sie bereit? Nicht nur wenn der Beweis wirklich geliefert worden ist, irgendwo aufgeschrieben steht, und dergleichen? Wenn er uns, in einem Sinne, leicht zugänglich ist? Und wann, wozu, beschreiben wir die Bahn? Nun, – zu einer Rechtfertigung. Und was wollen wir rechtfertigen? – Die Verwendung dieses Satzes. Dieser Zeichenverbindung, dieser Struktur. Denk Dir die Struktur wäre aus Holz, ein Gerüst. Was könnte die Verwendung eines Gerüstes rechtfertigen? – Der praktische Erfolg, etwa. Aber auch anderes! (Ich meine nicht, daß dieses Andere nicht im Zusammenhang mit einem praktischen Erfolg steht.) Ich zeige z.B. zu seiner Rechtfertigung, daß es rechtwinklig ist, oder bestimmte Proportionen hat.

216[2] &
217[1]

Eine bestimmte Konstruktion dient dazu, einen rechten Winkel zu liefern. Euklid beweist, daß sie einen rechten Winkel gibt. Der praktische Wert dieses Beweises soll also eine Vorhersage sein.

217[2]

Nun wohl; es ist eine Vorhersage mittels eines Beweises. (Vermittels eines Bildes.)

217[3]

Den Beweis vom bewiesenen Satz getrennt. – Du mußt Dich also überzeugen können, daß dieser Satz dieselbe Struktur ist, wie die am Ende des Beweises.

217[4] &
218[1]

Wenn es nun nur Dummheit wäre, was uns den Beweis als Rechtfertigung unsrer Handlungsweise annehmen ließe! Nun, was weiter? Das ist eben, was wir Rechtfertigung nennen. So handeln wir eben!

218[2]

Warum soll ich nicht sagen: “Es ist seltsam, daß wir rechnen”? Aber wir rechnen eben.

218[3] &
219[1]

“Wenn Du der Regel folgen wirst, so wirst Du das herauskriegen.” – Eine echte Voraussage. – Wie aber ist das damit zu vereinbaren, daß man sagen kann: “Wenn Du der Regel folgst, so mußt Du das erhalten”?

219[2]

Hätte es Sinn zu sagen: “Wenn Du der Regel folgen wirst, so wirst Du das erhalten – denn Du mußt es erhalten.”? Das läßt den Sinn des Satzes in einem Zwielicht erscheinen. Der Sinn scheint zu wackeln, wie die Zeichnungen die ich einmal als konkav, einmal als konvex sehe.

219[3] &
220[1]

Ich kann Schmerzen beschreiben; ich kann die Sprache beschreiben. Aber wie beschreibe ich nun die Schmerzen, die zu einem Ausdruck der Sprache gehören? – Da scheint uns ja ein Zirkel zu drohen. Weich’ dem, was Du da siehst, nicht aus.

220[2]

… könnte ich etwas für Denken halten was keins war?

220[3]

Kannst Du beobachten, ob Du ‘denkst, während Du nicht sprichst’? Kannst Du beobachten ob, was Du tust Denken ist?

220[4] &
221[1]

… vorstelle, wie mache ich es? Ich schaue die Leute mitleidsvoll an, sage mir “es muß schwer sein zu lachen wenn man solche Schmerzen hat”, & viel der gleichen.

221[2]

Warum bist Du so froh? – Ich freue mich auf sein Kommen.

221[3]

“Ich hoffe daß er kommen wird” kann ein Bericht sein, oder auch ein Ausdruck der Hoffnung.

221[4] &
222[1]

Der Schrei “Er ist da!” muß nicht als Mitteilung dienen. Und nicht als Mitteilung gemeint sein. Und das heißt: es schaut ganz anders aus, wenn ich’s Andern zurufe & wenn es der Schrei der Freude ist.

222[2]

“Ich hoffe er wird kommen” kann ich vor mich hin sagen in der ängstlichen Erwartung er werde kommen. Und ich kann es einem Andern sagen um ihm zu erklären, warum ich gewisse Anstalten treffe. Aber es kann auch beides sein & keins von beiden. Es kommt also hier auf die Absicht an.

222[3] &
223[1]

So bestimmt also die Absicht den Sinn jedes Satzes? Wie aber, wenn ich sagen würde: Sieh die Absicht ja nicht als eine Atmosphäre an, als einen Schleier, den man erwähnen muß, wenn man vollständig sein will.

223[2]

Man könnte vielleicht sagen: Die Situation enthält meistens die Absicht.

223[3] &
224[1]

Eine Bombe schlägt in meiner Nähe ein. Ich renne davon; ich glaube natürlich sie werde explodieren. Keinerlei Gedanke muß mir hier durch den Kopf gegangen sein.

224[2]

Man sagt: “Ich habe natürlich angenommen, sie werde explodieren”. Etwas natürlich annehmen heißt meistens nicht über das & das nachdenken. Hätte man mich gefragt, so hätte ich gesagt …. Aber das heißt nicht daß ich’s mir in irgend einem Sinne sagte.

224[3]

“Ich war natürlich der Meinung er werde kommen.” – Ich habe dabei gar nicht an ihn gedacht.

225[1]

Aber hier hast Du nur einen kausalen Zusammenhang genannt. Du hast nur erklärt wie es dazu kam daß wir uns jetzt nach dem Wegweiser richten nicht worin dies besteht.

225[2]

Nein ich habe mehr getan. Ich habe angedeutet daß sich Menschen nur dann nach Wegweisern richten, wenn sie sich ständig nach ihnen richten.

225[3] &
226[1]

So hätte sich also, wer E in den Kalender eintrug gar nichts notiert? Sieh’s nicht als selbstverständlich an, daß Einer sich etwas notiert wenn er ein Zeichen in einen Kalender einträgt. Eine Notiz hat ja eine Funktion, & das “E” hat, soweit, keine. Frage Dich, was der Sinn und der Zweck einer Notiz ist. Denke so: “Ist es nicht seltsam daß wir manchmal Zeichen in einen Kalender eintragen – wozu tun wir das eigentlich?”

226[2] &
227[1] &
228[1]

Denken wir uns eine Verwendung des E. Du machst folgende Erfahrung: Wenn Du eine bestimmte Empfindung hast siehst Du an einem Manometer, daß Dein Blutdruck steigt. Dadurch wirst Du in den Stand gesetzt ein Steigen Deines Blutdrucks ohne Zuhilfenahme des Apparats zu konstatieren. Ein sehr nützliches Ergebnis. Und nun scheint es hier ganz gleichgültig, ob Du Deine Empfindung richtig wiedererkannt hast oder nicht, oder ob Du den Glauben richtig als Glauben erkennst. Nehmen wir etwa an, Du irrtest Dich beständig in der Identifizierung, so macht es gar nichts. Und das zeigt schon, daß die Annahme auch nur eine Scheinannahme war. Wir drehten an einem Knopf der mit dem übrigen Mechanismus gar nicht verbunden war.

228[2] &
229[1]

Wie aber, wenn wir so sagen wollten: Er ist geneigt immer wieder dasselbe Zeichen (“E”) zu gebrauchen; darum sagen wir er habe die gleiche Empfindung. (Ähnlich etwa: Er ist geneigt beim Beten nach oben zu schauen, darum sagen wir, Gott sei in der Höhe.)

229[2] &
BCr[1]

“Empfindung” ist aber ein Wort der allgemeinen Sprache. Welchen Grund haben wir “E” die Bezeichnung für eine Empfindung zu nennen? Nun vielleicht eben die Art & Weise wie sie in diesem Sprachspiel (Steigen des Blutdrucks) verwendet wird.

BCr[2]

Aber ferner: Welchen Grund haben wir, “E” das Zeichen für eine Empfindung zu nennen. “Empfindung” ist nämlich ein Wort unsrer allgemeinen, allen verständlichen Sprache. Der Gebrauch dieses Worts bedarf also einer Rechtfertigung, die Alle verstehen. Und es hülfe Dir auch nichts zu sagen, es müßte keine Empfindung sein, wenn er “E” schreibe habe er etwas & …