Ms-180b

1r[1] &
1v[1]

Wie erkenne ich daß dies rot ist? – Ich bin in Verlegenheit, was ich sagen soll. Wie erkenne ich daß diese beiden Bäume gleich hoch sind? Hier weiß ich verschiedene Antworten. Ich messe sie mit einem Meterstab, ich schaue sie von einer erhöhten Stelle an, wenn sie gefällt sind lege ich sie nebeneinander etc. Wie erkenne ich daß dies rot ist? Ich schaue die Farbe in einer Tabelle nach wenn es nötig ist. Aber wie erkenne ich daß das Farbmuster in der Tabelle die zuerst erwähnte Farbe ist? Was soll ich sagen? Ich schaue sie an. – Und dann sehe ich’s eben. Was sagt dieser Satz nun noch? D.h. Ich schaue sie an & nun folgt eine Reaktion des Handelns oder Sprechens: Ich sage nun entweder das Wort das ich in der Tabelle ablese, oder ich sage, die beiden Farben seien “gleich”, etc.

1v[2] &
2r[1]

Ist es richtig, zu sagen: ich erkenne die Gleichheit unmittelbar? Es ist irreführend. Unmittelbar erkennen soll heißen: eine Wahrheit unmittelbar erkennen; eine die auch mittelbar hätte erkannt werden können. Es gibt Sprachspiele mit mittelbarer & unmittelbarer Erkenntnis derselben Tatsache. Ich erkenne unmittelbar daß das die Handschrift des N. ist; ich brauchte das Zeugnis des M nicht der N hat schreiben sehen. Das Wort “unmittelbar erkennen” ist in unserm Fall eines das sich uns als ein Ausweg aus der Verlegenheit aufdrängt & abgewiesen werden soll.


2r[2]

… können schwer auszusprechen sein. Worte des Abschieds z.B. oder das Eingeständnis einer Schwäche. Worte sind eben Taten.

2r[3] &
2v[1]

Den Ausdruck der Freude & des Leids nennen wir bedeutungsvoll. Worte die Träger eines bedeutenden Tonfalls sind. Und er ist bedeutungsvoll durch seinen Zusammenhang mit (den) Tatsachen des Lebens.

2v[2]

“Mein liebes Kind, bist Du mir wieder gut?”

2v[3]

Wie wäre es wenn Der, der jene seltsame Lautreihe beim Anblick einer Wiese ausrief, statt dessen seltsame Bewegungen mit seinen Fingern ausgeführt hätte; & diese nachträglich in einen deutschen Ausruf übersetzt hätte? Wären wir hier nicht viel weniger geneigt zu sagen er habe einen Satz ausgesprochen & gemeint?

2v[4] &
3r[1]

Und Worte eines Dichters können mir durch & durch gehen. Und so können wir uns also denken daß Einem Unsinnsworte in eben dieser Weise durch & durch gingen. Daß er sie sich darum immer wiederholt; bei bestimmten Gelegenheiten wiederholt. Sie vielleicht unter Trauer sagt. Oder daß solche Worte ihm Mut einzuflößen scheinen. Und wenn wir ihn hören würden wir vielleicht sagen: diese Worte klingen voll von Bedeutung. Man könnte sich ja auch eine Art Sprechen (wäre es ähnlich einem Sprechen in Zungen?) vorstellen worin keinerlei Wortsystem ist & das ganz durch das Spiel des Tonfalls wirkt. (Ob man das Sprache nennen soll?)

3v[1]

Und will man hier von Bedeutung reden so liegt sie nicht im Gebrauch der Wörter.

3v[2]

Was wäre aber hier die Bedeutung der Laute? – Nun, was ist sie in der Musik? Obwohl ich gar nicht sagen will daß jene Sprache des Tonfalls mit Musik verglichen werden müßte.

3v[3]

Warum soll ich überhaupt sagen, was die Bedeutung ist? Warum soll ich nicht sagen: Sprache, Musik & vieles ähnliche nennen wir bedeutend?

3v[4] &
4r[1]

Wie kommt es, daß Worte mit einer Empfindung geladen sein können? Denn daß sie die Empfindung begleiten kann es nicht sein. Sie sind mit Empfindung geladen sofern sie, oder ihr Ton, oder beide der Ausdruck der Empfindung sind.

4r[2]

Die Bedeutung eines Wortes, sagte ich, sei sein Gebrauch. Aber dem muß ein wichtiger Zusatz gemacht werden.

4r[3] &
4v[1] &
5r[1]

Wenn jemand sagte “Ich empfand diesen Satz als Mitteilung”, so wäre das in allen gewöhnlichen Fällen als Ersatz der Worte “Ich meinte ihn als Mitteilung” seltsam; aber wir brauchten dagegen kein Veto einzulegen solange nur klar ist was als Kennzeichen der Identität dieser Empfindung zu gelten hat. Was hülfe ihm die Empfindung des Meinens? Warum soll man eine Empfindung “Meinen” nennen, wo doch Meinen eine Funktion hat die mit einer Empfindung an dieser Stelle nichts zu tun hat. Man könnte auch von einer Empfindung des Zeigens reden, aber Zeigen hat eine Funktion & eine Empfindung zeigt nicht, kann das Zeigen höchstens begleiten & nennst Du eine Empfindung ‘Empfindung des Zeigens’ dann mußt Du mehr als eine Empfindung so nennen.

5r[2]

Der Satz “ich meine Dich” ist die Fortsetzung eines früheren Satzes. “Einer ist zu viel in diesem Zimmer. Ich meine Dich.”

5r[3]

Man könnte wohl sagen: “Ich empfand, ich wollte es Dir sagen”. Aber das würde ich nicht sagen wenn ich mit Dir ohnehin spreche.

5r[4] &
5v[1]

“Aber ich glaube auch in diesem Fall eine Empfindung des Meinens zu haben.” Wenn Du eine Empfindung hast die Du so nennst so hat das für den Zweck unsrer Verständigung keinen Belang. Ich kann nur hoffen daß die Empfindung von der Du sprichst nicht unangenehm ist.

5v[2] &
6r[1]

– – – geht nun immer wenn ich den Satz als Mitteilung meine ein Gleiches in mir vor? sei es von welcher Art immer. Und wie begleitet dies den Satz? Hüllt es ihn ein wie ein Dunstkreis oder meine ich ein jedes Wort eigens in der besondern Weise? (Ich neige zur ersten Idee.) Und wenn nun immer das gleiche vorgeht – ist das was wir “den Satz als Mitteilung meinen” nennen?

Es gibt Unterschiede zwischen dem Satz als Sprachübung & dem Satz als Mitteilung ausgesprochen die nicht in der Umgebung des Satzes liegen: ein charakteristischer Tonfall, Arten des Benehmens etc. für die Mitteilung & andere für die Sprachübung. Aber – – – mißdeuten? Aber was ist hier das Kriterium für eine richtige oder falsche Deutung? Sowenig wie der Dichter den ersten Satz seiner Erzählung durch die Fortsetzung mißdeuten kann. Er deutet ihn insofern als er seinen Sinn weiter ausführt. Das Gebäude dieses Sinnes weiter baut.

6v[1]

Es könnte sein daß die Kleidung die bei einer bestimmten Gelegenheit den König bezeichnet bei einer andern Gelegenheit einen andern Funktionär kennzeichnet, während der König bei der zweiten Gelegenheit anders gekennzeichnet ist u.s.w.. Dem gleichen Amt entspräche also hier nicht das gleiche Kennzeichen & doch macht es das Amt kenntlich. Die gleiche Empfindung muß nicht das gleiche Meinen bedeuten.

6v[2] &
7r[1] &
7v[1]

Warum sagst Du daß Meinen Empfinden ist? Hast Du das Wort “meinen” so gelernt wie das Wort für ein Empfinden? Gebrauchst Du es so? Wenn Du dem Andern eine Mitteilung machen willst, so mußt Du es ihm zu erkennen geben. Den Satz als Mitteilung meinen heißt etwas ähnliches wie ihn an diese Person richten. Oder sagen wir: es heißt ihn an diese Person richten wollen. Wie kommt es nun daß ich mich darin nicht irren kann ich habe diesen Satz als Mitteilung gemeint? Denke an den Fall der Sprachübung. Da könnte es sein daß Du den Satz “Ich fühle mich unwohl” halb als Mitteilung & halb noch als Sprachübung meinst. Du könntest im Zweifel sein ob Du wirklich dem Andern mitteilen willst daß Du Dich nicht wohl fühlst.

7v[2]

Man kann doch sagen: “Ich habe für einen Augenblick einen Impuls verspürt es Dir zu sagen, dann habe ich mich anders besonnen”.

7v[3] &
8r[1]

Gewiß, ich kann auf ihn anzuspielen scheinen & doch keine Anspielung meinen. Also lag der Unterschied in meinem Denken & Fühlen. Aber das sagt nicht daß “meinen”, “anspielen” denken & fühlen heißt. Denn der Unterschied zwischen “dies meinen” & “dies nicht meinen” kann im besondern Fall in dieser Situation einer zwischen denken & nicht denken sein.

8r[2] &
8v[1]

Es könnte Menschen geben die immer, wenn sie an jemand denken, sein Gesicht, ausgezeichnet getroffen, vor sich hin zeichneten. (Es fiele das ihnen allen etwa so leicht, wie uns das schreiben.) Aber man kann sich auch den Fall denken daß Leute, ohne scheinbare Ursache, das Gesicht eines Bekannten hinzeichneten & man nicht sagen könnte sie dächten an ihn.

8v[2]

Bedenke: Wie wendet man sich an jemanden? Man dreht sich zu ihm. Aber manchmal auch: man dreht ihm ostentativ den Rücken zu. Wenn man nun dabei Gefühle des Sich-an-ihn-Wendens hat, was nützt es einem? Und doch gibt es natürlich Gefühle, die dafür mehr oder weniger charakteristisch sind.

8v[3] &
9r[1]

Es kann geschehen, daß ich, in einem Gespräch z.B., auf etwas zeigen will, bereits eine rudimentäre Bewegung zu diesem Zwecke mache, es aber nicht zu einem Zeigen kommen lasse. Später sage ich vielleicht: “Ich wollte vorhin schon drauf zeigen” & erinnere mich dabei meiner angefangenen Bewegung. Der Andere kann vielleicht sagen: “Ich hab gesehen daß Du darauf zeigen wolltest”. Könnte ich nun meine Bewegung später mißdeuten? – Oder auch: Deute ich sie überhaupt in dem Sinn, daß ich mich an sie erinnere & eine Vermutung über sie anstelle? Oder sind die deutenden Worte nur die Ausarbeitung, die Fortführung des Gedankens?

9v[1] &
10r[1]

Aber man kann sich doch auch erinnern, man wollte damals auf diesen Gegenstand zeigen & dabei sagt man “Ich erinnere mich noch deutlich daß ich hinsah & schon den Finger aufgehoben hatte”. Und einerseits ist diese angefangene Geste nicht das woraus ich schließe ich habe damals zeigen wollen; anderseits ist sie doch ein wesentlicher Bestandteil dessen was ich beschreibe. Aber “was tritt vor meine Seele” möchte ich sagen. Ein Bild wovon? – Was für ein Bild immer – ich muß es doch erst deuten. Eher könnte man fragen was für eine Verifikation gibt es dafür ob wir uns richtig erinnern; & da kann es sein daß ein Andrer sagt: “Ich hab Dich angeschaut; ich erinnere mich deutlich daß Du im Begriffe warst darauf zu zeigen.”

10r[2]

Die Frage “Was geht da vor, wenn …” (in dieser Art von Untersuchung) ist gänzlich irreführend. Die Philosophische Frage selbst verstellt den Weg zur Klarheit.

10r[3] &
10v[1]

Das Aufheben des Fingers war ein für meinen Gesichtspunkt wesentlicher Teil der Situation. Das zeigt sich schon darin, daß der Andere, vielleicht ohne zu zweifeln, meine Absicht aus meinem Benehmen ablesen konnte. Er kann sich nun wohl irren & meine Gründe & die Gedanken die ich dabei hatte, mochten meinem Benehmen einen ganz anderen Sinn geben; aber ohne eine Ergänzung die der Handlung eine ungewöhnliche Interpretation gibt hat sie eben die gewöhnliche.

10v[2]

Man sagt: “Die ganze Situation ist mir noch klar vor Augen” – Aber ist Dir nicht auch Dein Geisteszustand vor Augen? Doch, ich erinnere mich auch an Gedanken & Gefühle.

11r[1]

Eine Musikkapelle am Ende einer Feierlichkeit ist im Begriffe die Nationalhymne zu spielen. Die Noten liegen auf den Pulten; sie haben den ersten Takt gespielt; da unterbricht sie ein Elementarereignis. Wäre es nicht möglich daß der Dirigent die Absicht hatte die Hymne nicht zu spielen sondern sie nach den ersten Takten zu unterbrechen? Und wenn dies nicht der Fall war so hatte er also die Absicht die Hymne zu spielen. Aber worin bestand diese Absicht. Hier möchte ich sagen: Sie lag schon ganz in der Situation.

11v[1]

Warum kann ich meine angefangene Bewegung nicht mißdeuten? Wie kann ich wissen, daß die der Anfang einer Zeigebewegung war? Oder soll ich sagen “Vielleicht war dies der Anfang einer Zeigebewegung”? Nein. Das will ich nicht. Nun, entweder schließe ich aus den Umständen (äußern & innern) daß meine Bewegung das war, nichts anderes sein konnte. Oder ich setzte diese Bewegung nachträglich durch eine Deutung fort.

11v[2] &
12r[1]

“Ich weiß, ich war im Begriffe darauf zu zeigen.” Nun dem muß verschiedenes vorhergegangen sein; Gedanken, Handlungen. “Ich nahm die Hand vom Mund & machte bereits eine Bewegung mit dem Zeigefinger”. In dem Strom dieser Ereignisse, Gedanken & Empfindungen war dies der Anfang einer Gebärde des Zeigens.

12r[2]

Ja, wenn ich die ganze Gebärde machte & sagte “Er liegt dort drüben” so wäre das kein Zeigen, wenn nicht diese Worte zu einer Sprache gehörten.

12r[3] &
12v[1]

Ich gehe neben einem Kranken die Treppe hinauf. Er strauchelt. Ich mache den Anfang einer Bewegung ihn zu stützen aber er gewinnt von selbst das Gleichgewicht & ich ziehe meinen Arm wieder zurück. – Wie weiß ich daß die Bewegung der Anfang einer Hilfeleistung war. Nun sie war das als was auch der Dritte sie unter diesen Umständen erkannt hatte.


12v[2]

Und das Wichtige ist nicht nur daß ich mich an meine Absicht & an diese Bewegung erinnere, sondern daran, daß diese Bewegung der Ausdruck der Absicht war.

12v[3] &
13r[1]

Wie hat man mich den Gebrauch des Worts “erinnern” gelehrt? Hat man mir gezeigt wie ein Erinnerungsbild ausschaut? (Oder habe ich’s erraten?)

13r[2] &
13r[3]

Du erinnerst Dich, daß Du die Absicht hattest – – wie war es also, wie Du sie hattest? Wenn Du nachdenkst, was fällt Dir da ein? Ich erinnere mich an Verschiedenes; aber nichts davon ist die Absicht. Und doch scheint das, woran ich mich erinnere relevant für die Absicht.


Wenn Du nun später sagst “Ich meinte …”, beurteilst Du da die ganze Situation?

13v[1]

Wie hab ich denn die Worte “die Absicht haben” gelernt?

13v[2]

Wiederum ist es seltsam: Du kannst die Absicht mimen.

13v[3] &
14r[1]

Denk Dir Du hättest die Absicht darauf zu zeigen. Du machtest keine Bewegung, aber sagtest zu Dir selbst “Ich will drauf zeigen”. Später erinnerst Du Dich dran das gesagt zu haben. Sind (diese) Worte nicht auf dem gleichen Niveau wie die Bewegungen (die ja auch ein Andrer verstehen könnte). Und wenn ich mich nun erinnere mir dies gesagt zu haben, – ist es ein sicherer Beweis der Absicht, während dies die Bewegung nicht war? Ja, wozu annehmen ich hätte die Worte bloß zu mir selbst gesagt? Nehmen wir an ich hätte sie laut zu einem Anwesenden gesagt.

14r[2] &
14v[1] &
15r[1]

Nehmen wir an was ich als Äußerung der Absicht ansah, werde durch irgend ein Ereignis abgeschnitten. Wäre die Absicht nun vorhanden, oder wie weit darf man die Äußerung kürzen ohne die Absicht zu zerstören. Wüßte ich z.B. schon beim ersten Wort alles was ich sagen wollte? War also der Gedanke schon fertig gedacht als ich es aussprach? Und auch schon ehe ich es aussprach? Und wie lange vorher? Hätte ich den Zeitpunkt etwa durch ein Händeklatschen anzeigen können? Oder ist es so: Wenn ich, sagen wir, nach dem ersten Wort des Satzes unterbrochen, dann aber gefragt worden wäre, was ich gesagt hätte wenn nichts dazwischen gekommen wäre; so würde ich mit Sicherheit darauf antworten. D.h.: ich könnte jetzt mit voller Sicherheit fortsetzen – – aber das sagt nicht, daß der Denkakt schon von dem Satz abgelaufen war.

15r[2]

D.h.: Meine Antwort, meine Bewegung sei der Anfang eines Zeigens gewesen, beruht darauf daß ich jetzt gegebenenfalls die Bewegung fortzusetzen wüßte. Daß mir eine bestimmte Fortsetzung vorschwebt; was sozusagen die Tendenz jenes Bewegungsanfangs bezeugt.

15r[3] &
15v[1]

Wer anfängt zu niesen, & steckenbleibt, sagt nicht er habe zu niesen beabsichtigt.

15v[2]

Aber hätte ich meine Bewegung auch in etwas anderes fortsetzen können? Oder: war ich nach den ersten Worten des Satzes noch frei ihn so oder so fortzusetzen ohne nämlich meine Absicht zu ändern?

15v[3] &
16r[1]

Ich zog die Linie & werde ◠ unterbrochen. Gefragt wie ich fortsetzen wollte ergänze ich sie zu einem Kreis. Angenommen ich hätte sie zu dieser Form ◠◡ ergänzt hätte ich meine Absicht geändert? Manchmal ja, manchmal nein.

16r[2]

– – – Ich könnte jenen Satz in mitten einer Sprachübung aussprechen & ihn als Mitteilung meinen, obgleich er auch in die Sprachübung passen würde, & der Andere wüßte vielleicht nicht, wie ich ihn gemeint habe.

16r[3] &
16v[1]

Denke an das Erlebnis in einem Gespräch etwas sagen zu wollen Dich aber dann zu entscheiden nichts zu sagen. Ein charakteristisches Erlebnis ist es den Atem einzuziehen & anzuhalten. Entscheidest Du Dich dann doch nichts zu sagen, so läßt Du den Atem wieder aus. Jemand der Dich beobachtet kann deutlich sehen daß Du etwas sagen wolltest. War also die Absicht das Atem anhalten. Nein. Aber in dieser ganzen Situation machte diese Handlung etwa diese Absicht aus.

16v[2] &
17r[1]

Soll ich sagen die Absicht sei ein Erlebnis der Tendenz? Nun dies Atem anhalten könnte man ein Erlebnis der Tendenz zu sprechen nennen. Daher erkennt es auch der Andre als diese Tendenz. Aber würde er’s in jeder Situation als Tendenz erkennen & wäre es in jeder Situation für eine Tendenz charakteristisch?

17r[2] &
17v[1]

Wie ist das: die Absicht haben etwas zu tun? Was soll ich darauf antworten? Eine Art der Antwort wäre, zu sagen, was etwa ein Romanschriftsteller sagt der die Seelenzustände seines Helden beschreibt wenn dieser die Absicht hat …. Und was geschieht da? Es wird eine Situation, eine Vorgeschichte beschrieben, die Gedanken & Empfindungen des Helden & dergl. Es wird vielleicht nirgends gesagt er habe die Absicht gehabt N. umzubringen aber wenn wir den Gang des Romans erzählen werden wir vielleicht diese Worte gebrauchen.

17v[2] &
18r[1]

“Ich hatte diesen Satz als Mitteilung gemeint”. – Ich hatte schon früher manchmal daran gedacht meinem Lehrer zu sagen ich sei unwohl um dadurch den langweiligen Unterricht zu kürzen. Nun kam dieser französische Satz & ich sagte ihn mit einer Wendung gegen den Lehrer in einem andern Ton, als die übrige Übersetzung. Dann als ich sah daß er mich nicht verstanden hatte dachte ich “Ich will doch weiter übersetzen” & setzte die Lektion fort.

18r[2] &
18v[1]

Man kann sich auch selbst sagen: “Ich erwarte daß er mich besuchen wird” & das wird je nach den Umständen, der Gedanken, die vorangegangen sind ein Resultat der Introspektion genannt werden können & also heißen: “Also das tue ich – ich erwarte daß er zu mir kommen wird.” Oder aber eine Äußerung der Erwartung also – wenn man so sagen will – eine Handlung der Erwartung. D.h., eine Handlung die die Situation als eine des Erwartens charakterisiert.

18v[2]

Eine Erwartung, könnte man sagen, besteht aus Handlungen, Gedanken, Gefühlen, in bestimmten Umgebungen.

18v[3] &
19r[1]

– – – Es wäre aber auch denkbar daß jemand ohne die geringste Ursache, ohne eine entsprechende Vorgeschichte in seinen Gedanken urplötzlich eine erwartende Stellung einnehme & sagte: “Ich erwarte jeden Moment eine Explosion”. Wir würden ihn dann vielleicht für verrückt halten. Und wenn er auf die Frage, warum er eine Explosion erwarte keine Antwort zu geben wußte & bloß wiederholte er erwarte eine Explosion, so wüßten wir nicht ob wir von ihm sagen sollten er erwarte wirklich etwas. Nicht aber weil wir in seine Seele nicht schauen können, sondern weil die Situation ein degenerierter Grenzfall des Erwartens ist.

19r[2]

– – – Seine Antwort wird z.B. dem Andern seine Handlungsweise verständlich machen, ihn auch in den Stand setzen sich die Gedanken & Gefühle des Erwartenden auszumalen.

19v[1] &
20r[1]

“Als ich dieses Buch las unterhielt ich mich ausgezeichnet.” Wenn mir jemand das sagt so kann ich mir nun verschiedenes vorstellen, was er etwa beim Lesen gedacht, gesagt & getan hat. Ich kann daraus auch schließen daß es sich als Reiselektüre für mich eignen werde, oder das Gegenteil u.s.w. u.s.w. So funktioniert diese Mitteilung.

20r[2]

Wenn ich, statt zu sagen “Ich erwarte jeden Moment eine Explosion”, flüstere “Es wird gleich losgehen”, so sind doch diese Worte keine Beschreibung meiner Empfindung, obgleich sie & der Ton eine Äußerung meiner Empfindungen sein mag.

20r[3]

Wenn ich sage “Ich erwarte ihn sehnsüchtig” so wird man diese Worte manchmal eine Handlung der Erwartung selbst nennen können.

20r[4] &
20v[1]

Die Worte “Ich erwarte eine Explosion” werden oft einfach heißen “Sei auf eine Explosion gefaßt” oder “Ich glaube es wird jetzt eine Explosion stattfinden”.

20v[2] &
21r[1]

Wozu dient der Satz “Ich erwarte …”? Er teilt mir mit das & das sei zu erwarten die Situation sei die & die. Er teilt mir seine Meinung über den Ausgang einer Sache mit. Er erklärt mir … das Benehmen des andern seine Unruhe Zerstreutheit etc., oder daß er immer wieder aus dem Fenster schaut. Er erklärt mir die Stimmung des Andern. (Sehnsucht.) Er kann mir das eine oder das andere mitteilen wollen. Und welches er mir mitteilen will wird wieder zum Teil in dem liegen was seinen Worten vorangegangen ist etc. etc. Er kann aber z.B. die Worte “Ich erwarte ihn sehnsüchtig” sagen um seine volle Brust zu erleichtern um sich gegen jemand auszusprechen.

21r[2]

Ist Glauben etwa denken & empfinden? Ich glaube daß N den Gegenstand gestohlen hat. Glauben ist grammatisch ein Zustand der sich in dem was ich denke sage empfinde tue & unterlasse zeigt.

21v[1] &
22r[1]

Die Erwartung wächst aus einer Situation heraus. Die Erwartung einer Explosion liegt in einer bestimmten Situation eingebettet. Eine Erwartung liegt in einer Situation eingebettet. Eine Erwartung greift in eine bestimmte Situation. Eine Erwartung hat ihre Wurzeln in einer bestimmten Situation. Sie ist gleichsam in der Situation eingebettet, & wächst aus ihr heraus. Aus einer Situation z.B. in der eine Explosion zu erwarten ist.

22r[2]

Die Erwartung einer Explosion z.B. wächst manchmal aus einer Situation heraus in der eine Explosion zu erwarten ist.

22r[3]

“Ich erwarte daß es explodieren wird” können auch die Worte sein die den Gedanken aussprechen zu dem ich jetzt gerade gelangt bin, & dann sind sie eben ein Akt der Erwartung.

22r[4]

Die Erwartung ist grammatisch ein Zustand dessen Symptome Gedanken, Handlungen etc. sind.

22v[1]

Willst Du sagen das Meinen des Satzes als Mitteilung sei eine Empfindung oder ein Verlauf von Empfindungen?

22v[2]

Eine Erwartung wächst aus einer Situation heraus. Die Erwartung einer Explosion kann (z.B.) aus einer Situation entspringen, in der eine Explosion zu erwarten ist.

22v[3]

Eine Erwartung wächst aus dem Boden einer Situation heraus.

22v[4]

Eine Erwartung ist in einer Situation eingebettet aus der sie entspringt.

23r[1]

Wenn ich am Ende eines Gedankenganges zum Ergebnis gelange, es werde eine Explosion eintreten & also sage “Ich muß also eine Explosion erwarten” so ist das ein Akt der Erwartung.

23r[2] &
23v[1]

Erwartung ist, grammatisch, ein Zustand, wie Meinung, Glaube, Hoffnung. Aber die Grammatik dieses Zustands zu verstehen muß man fragen: Was sind die Kriterien dafür daß jemand in diesem Zustand ist.

23v[2]

Ist es ein guter Ausdruck, zu sagen: Erwarten sei ein Konglomerat aus Handlungen, Gedanken, Gefühlen?

23v[3]

“Ich erinnere mich nicht mehr an meine Worte, aber ich erinnere mich genau an meine Absicht.” Das scheint ja ein schwer verständlicher Fall zu sein. Die Erinnerung an eine Absicht – beide ungreifbar.

24r[1]

“Ich erinnere mich, ich wollte ihn damals beruhigen ….” Was zeigt mir meine Erinnerung? Nun, wenn sie nichts täte als mir diese Worte einzugeben, & vielleicht noch andere, die die Situation noch genauer ausmalen!

24r[2]

Der Satz als Sprachübung wird sich von dem Satz als Mitteilung im allgemeinen durch seinen Tonfall durch die Bewegungen Gedanken unterscheiden.

24r[3] &
24v[1]

Glaub nicht immer, daß Du Deine Worte von Tatsachen abliest, diese nach Regeln im Worte abbildest. Die Anwendung der Regel im besonderen Fall müßtest Du ja doch ohne Führung machen.

24v[2]

Sagt also der Satz eigentlich etwas sehr schwer Verständliches was nur, zum Glück, dem Laien der ihn ausspricht verborgen ist?

24v[3]

– – – Sie betreffen viele Gegenstände. Sie betreffen viele von den Gegenständen welche die Philosophie unserer Zeit beschäftigen. Sie betreffen eine Große Mannigfaltigkeit der Dinge …

25r[1]

Sie betreffen eine große Mannigfaltigkeit desjenigen, was die Philosophie unserer Zeit beschäftigt.

25r[2]

Sie betreffen viele Gegenstände unseres philosophischen Denkens.

25r[3]

Ich habe alle meine Gedanken über diese Gegenstände ursprünglich als Bemerkungen, kurze Absätze niedergeschrieben. Alle meine Gedanken über diese Gegenstände habe ich ursprünglich als Bemerkungen, kurze Absätze niedergeschrieben.

25r[4]

Das Spiel “Drei Worte nachsprechen”, das dritte ist der Ausruf “Falsch!”. Zusammenhang mit den logischen Paradoxen.

25v[1]

Beweisen daß kein Widerspruch möglich ist, ist eine praktische Maßnahme.

25v[2]

Die Maßnahme einer gewissen mathematischen Praxis.

25v[3]

Mich an das, was ich tat, als den Ausdruck des Meinens zu erinnern, hängt damit zusammen, daß ich die Szene im Geist reproduzieren kann. Denn dieses Reproduzieren ist eine Art des Erinnerns.

26r[1]

Als Würfel, als Drahtgestell, als unfertige Schachtel gesehen bestehend nur aus den drei sichtbaren Flächen.

26r[2]

Wie ist es möglich die Zeichnung kontinuierlich in einer dieser drei Weisen zu sehen?

26r[3]

Ja man kann sie z.B. auch als Prisma sehen, das zu mir, nach rechts, oder nach oben schaut. Und was heißt das?!

27r[2]


28r[1]

Was man befehlen kann ist eine Tätigkeit.

28r[2]

Nicht das Wollen sondern das Tun ist eigentlich was man der Erfahrung gegenüberstellen will.

28r[3]

Das “Vielleicht-Gefühl”, was für ein Gefühl ist es? Wie wird es identifiziert?

28r[4]

Die Pointe des Gebrauchs eines Worts. [Zu der Erklärung die Bedeutung sei der Gebrauch]

28r[5] &
28v[1]

– – – Und nun scheinen wir, noch ehe wir zur Logik kommen in brauenden Nebeln unentwirrbarer Fragen zu versinken.